Welcher Baum lieferte das Harz des Baltischen Bernsteins?

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Sehr häufig, aber bei Sammlern weniger beliebt ist Holzmulm im Bernstein. Was davon noch einigermaßen erhalten und erkennbar ist, sind Späne von Nadelholz. Entsprechende Laubholzspäne sind mir in Baltischem (und Bitterfelder) Bernstein unbekannt! Da diese Späne fast immer auf Fraßtätigkeit holzzerstörender Insekten und vor allem deren Larven zurückgehen, sind diese mit dem hervorquellenden Harz ausgespülten Holzteilchen die wichtigsten und häufigsten Reste der Bernsteinbäume.
Was sonst kann von den Bernstein-Nadelbäumen in das Harz gelangen und dort eingeschlossen werden? Rindenstücke, wenn sie nicht zu groß sind, Blütenstaub, männliche Blütenkätzchen bzw. Teile davon, Nadeln bzw. Blätter - größeres wie Zapfen, die sich aus den weiblichen Blüten entwickelt haben, bleibt nicht am Harz kleben und wird auf keinen Fall vollständig eingeschlossen.
Doch scheinbar gibt es Widersprüche: Das Holz und der Pollen sprechen für Kiefer, die chemische Zusammensetzung des Bernsteins zunächst für Araukarienverwandte, und Nadeln bzw. Nacktsamerblätter sind viel seltener als man normalerweise erwarten würde!  
Rekonstruktionschema des Bernsteinholzes, von mir verändert nach einer Vorlage für Nadelholzaufbau von R. Wagenführ. Wuchsrichtung (Dickenwachstum) von innen (links vorne) nach außen (rechts hinten). Dargestellt ist etwas mehr als ein Jahreszuwachs.

Oben: Querschnitt mit Harzgang (gelb), Holzstrahl (braun). Das Frühholz mit breiten Längstracheiden ist hell, das Spätholz dunkler getönt.

Links: Tangentialansicht mit Holzstrahlen, einer davon mit Harzgang. Braun: Holzstrahl-Speicherzellen, blau: Quertracheiden des Holzstrahls.

Rechts: Radialansicht mit Holzstrahl aus Speicherzellen (braun) mit einfacher Tüpfelung sowie Quertracheiden (blau) mit kleinen Hoftüpfeln. Die Längstracheiden besitzen im Frühholz (heller) zahlreiche große runde Hoftüpfel.

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Wie kann eine Tracheide als lange, aber allseitig geschlossene Zelle Flüssigkeiten leiten? Zunächst sind Tracheiden tote Zellen, d. h. ihr Zellinhalt ist abgebaut, die Tracheide ist sozusagen leer. Zum zweiten sind sie mit Nachbarzellen (den tieferen und höheren sowie den seitlichen) durch "Tüpfel", besser kommunizierende Tüpfelpaare, verbunden. Tüpfel sind Zonen der Zellwand, die soweit verdünnt sind, daß sie Flüssigkeiten z. B. mit gelösten Nährstoffen durchlassen können. Zu den seitlichen Nachbartracheiden werden Hoftüpfelpaare (schematischer Schnitt links) ausgebildet, an denen die angrenzenden Tracheiden je zur Hälfte (rot bzw. grün) beteiligt sind. Die Verdickung (Torus) in der Membran des Hoftüpfels kann unter bestimmten Bedingungen den Tüpfel vorübergehend oder dauerhaft verschließen. Rechts daneben ein einfaches Tüpfelpaar (nach Wagenführ, verändert).
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Bernstein-Lexikon - Bildauswahl Lebewelt in Bernstein 1 und 2 - Internetverweise zu Bernstein
Ungelöste Bernsteinrätsel - Bernsteinquiz - Bilder aus dem "Atlas" - Museum Albersdorf