Entdeckungsreise im Norden mit der Maus
auf Dithmarschens ältester Karte von 1559
"Neben der Aubrücke bei Süderheistede, wo in alten Zeiten ein Hauptverteidigungswerk des Landes und feste Schanzen angelegt waren, stand zu den Zeiten der Freiheit auf einem schönen runden Platze eine Linde, die im ganzen Lande nur der Wunderbaum genannt ward. Sie war höher als alle anderen Bäume weit und breit umher, und ihre Zweige standen alle kreuzweis, also daß niemand ihresgleichen gewußt. Bis zur Einnahme des Landes hat sie jedesmal gegrünt. Aber es war eine alte Verkündigung, sobald die Freiheit verloren wäre, würde auch der Baum verdorren. Und solches ist eingetroffen. Einst wird aber eine Elster darauf nisten und fünf weiße Junge ausbringen. Dann wird der Baum wieder ausschlagen und von neuem grün werden, und das Land wird wieder zu seiner alten Freiheit kommen." (Sage nach Müllenhoff, Nr. DXII) Der Wunderbaum bei Süderheistedt
Der Chronist Neocorus, der diese Sage um 1600 ursprünglich berichtet, weiß nichts von der Lage gleich neben der Aubrücke und nennt auch nicht die Baumart, erwähnt aber ausdrücklich seine Einfriedigung. Nach ihm hat der Baum vor Herzog Johann des Älteren (Landesherr im Mittelteil des eroberten Dithmarschens) Tod 1580 wieder gegrünt, und auch die Prophezeiung mit der Elster sei eingetroffen, aber als der Herzog ohne Leibeserben starb, wurde das Land nicht wieder frei, sondern wurde unter seinen Brüdern aufgeteilt (1581).

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© Volker Arnold, zuletzt geändert am: