Die Texte zu den Postern (zum besseren Lesen, Markieren und Kopieren)
Holzkohle – wieso und wozu?
Holzkohle ist jetzt den Meisten nur noch als Grillkohle bekannt, im allgemeinen
schon zu den handlichen Briketts gepresst. Zwar wird Holzkohle auch noch heute
bei vielen chemischen Prozessen und im Handwerk benötigt, aber ihre Bedeutung
hat gegenüber früheren Zeiten stark abgenommen.
Holzkohle entsteht bei Verschwelung von Holz. Dabei vergasen oder verbrennen die
'flüchtigen' Bestandteile des Holzes. Es bleibt der fast reine Kohlenstoff in
Holzstruktur übrig, darin etwas mineralische Asche.
Die allzu zerbrechliche Holzkohle ist übrigens über Jahrtausende haltbar,
solange sie ungestört von Bewegungen im Boden eingelagert bleibt. Dadurch und
durch den Umstand, dass man am Anteil eines adioaktiven Kohlenstoff-Isotops das
Alter des zu Grunde liegenden Holzes ('C14-Datum') bestimmen kann, ist sie für
alle Datierungen in Archäologie und Umweltgeschichte von großer Bedeutung!
So lange keine Steinkohle zur Verfügung stand oder diese zu
schwefelhaltig war, wurde seit der Eisenzeit in der Schmiede Holzkohle
gebraucht, um, vom Blasebalg angefacht, die notwendigen Temperaturen zu erzielen. (Kirchenportal von
Hyllestad, Norwegen, 13. Jh.)
Primitive Eisenverhüttung (Tansania) erfordert Holzkohle in großen Mengen,
ebenso der handwerkliche Metallguss (spätgotisches Taufbecken von Albersdorf)
Schwarzpulver besteht neben Salpeter und Schwefel aus Holzkohle. Angeblich
taugte dafür das "Pulverholz", der Faulbaum, am besten.
Albrecht Dürers meisterhafte Zeichnung seiner betagten Mutter – gemalt mit
einem Stift aus Holzkohle.
Mancherorts legte man Holzkohle unter die Grenzsteine, um unerlaubtes Umsetzen
erkennen zu können.
Auch dafür brauchte man Holzkohle: zum Heizen von Bügeleisen, in
Telefon-Mikrofonen, zur Entgiftung und als absorbierende Aktivkohle in
Gasmaskenfiltern. Zu so verschiedenen Dingen wie Reinigen des Wassers in
Aquarien oder Whiskey-Zubereitung nimmt man Holzkohle! Zurück
Poster-Übersicht
Die Köhlerei – ein (fast) ausgestorbenes Handwerk
Seit es Metallverarbeitung gibt, bestand ein Bedarf an Holzkohle. Spätestens
seit dem Mittelalter hat sich ein eigenes Köhlerhandwerk ausgebildet, das im
Sommerhalbjahr betrieben wurde.
Wegen ihrer Lebensweise in der Einsamkeit galten die 'Schwarzen Männer' als
seltsam und waren schlecht angesehen. Die Verbreitung der Familiennamen
'Kähler' und 'Köhler' zeigt noch heute, dass es früher viele Köhler gab.
In Retorten gewonnene Holzkohle, Steinkohle und Erdöl brachten die Köhlerei
allmählich zum Erliegen. Einige wenige Köhler arbeiten heute überwiegend zur
Schau.
Wirtschaftlicher als die altertümlicheren Grubenmeiler sind die Standmeiler,
die sich seit dem Mittelalter zunehmend durchsetzten. Sie werden bis zu vier
Holzstockwerke hoch aufgeschichtet. Der Rost dient dazu, ganz allmählich Luft
von unten einströmen zu lassen.
Ein anderthalb Hektar messender Geländeausschnitt aus dem Vorderen Bayrischen
Wald zeigt die Häufigkeit der Spuren beider Meilertypen in windarmen Tälern
längs der Bäche.
Die in den Hängen angelegten 'Kohlplatten' der früheren Standmeiler (oben
Skizze, unten Fein-Nivellement) erhalten sich jahrhundertelang und finden sich
häufig in den Köhlerei-Brennpunkten der Mittelgebirge.
Aus einem Werk von Duhamel du Monceau 1761: Nicht nur Standmeiler, auch die
zuletzt in Niederösterreich üblichen Langmeiler aus liegenden Stämmen werden
in allen Phasen mit den nötigen Gerätschaften gezeigt.
Langmeiler, Rohr im Gebirge, 2005
Ein Stich von Heinrich Gross zeigt die Köhlerei in den Vogesen
um 1529. Diese besonders frühe Ansicht ist zwar nicht in jeder Einzelheit
korrekt, lässt aber den Umfang der Waldzerstörung durch Köhlerei erahnen. Zurück
Vom älteren, wohl auch unwirtschaftlicheren Typ des Grubenmeilers scheint es
keine zeitgenössischen Bilder zu geben, sondern im Gelände nur noch
muldenförmige Spuren (oben links: Bayrischer Wald, oben: ebendort, Skizze eines
Querschnittes mit Holzkohle).
Soldaten köhlern in den Vogesen während des Ersten Weltkrieges, da rauchfrei
brennende Holzkohle den Feinden die Lage der Stellungen nicht verriet – im
Gegensatz zu rauchenden Holzfeuern.
Während der Saison wohnten die Köhler im Wald bei ihren Meilern in mehr oder
weniger primitiven Köhlerhütten, um die Meiler auch nachts ständig
überwachen zu können.
Archiv der Gesellschaft der Freunde Gutensteins
Kohlstätte im Schneeberggebiet. Ölbild, um 1830 von Josef Schwemminger.
Passend zur Epoche der frühen Romantik wird die Köhlerei als Idyll in der
einsamen Natur verherrlicht.
nach O. Nelle
Foto: Nelle
nach W. Nölken
aus W. Nölken
http://hsfriedenshoehe.de Zurück
Der Meilerplatz wird vorbereitet, ein
'Quandelschacht' entsteht
Vorführung und zugleich Experiment ist der Nachbau und Betrieb eines
Standmeilers auf dem Gelände des Archäologisch-Ökologischen Zentrums
Albersdorf (AÖZA). Arne Paysen, Doktorand der Ur- und Frühgeschichte in Kiel,
hat sich als 'Köhler' zur Verfügung gestellt. Mitarbeiter des Steinzeitdorfes
haben den Platz vorbereitet, das Holz gespalten sowie Soden und die
Farnabdeckung herbeigeschafft.
Hier wurde der Meiler aufgebaut (nicht mehr ganz aktuelles Luftbild des
ÄÖZA-Steinzeitdorfes, Foto Raabe)
2,4 Tonnen Holz – Erle und etwas weniger Birke – wurden
gespalten. Links ein Haufen Grassoden. Eine runde Fläche (hinten) wurde vom
Bewuchs befreit
Der 'Quandelschacht' ist ein vorübergehender Schornstein des Meilers, der nur
zum Anzünden gebraucht wird. Seine Bauteile werden im Idealfall auch allesamt
zu Holzkohle
Einige Hölzer werden in Maschendraht verpackt, damit man später sehen kann,
was daraus wurde
Jedes im Meiler vebaute Stück Holz wird gewogen
Vier dünne Pfähle sollen den Halt für den 'Quandelschacht' geben Zurück
Das Kohlholz wird zum Meiler geschichtet
Zwei Tage, unterbrochen durch viele Regengüsse, dauerte das Aufstellen des
Holzstapels. Es entstand ein kleiner Standmeiler mit zwei Holz-Stockwerken. Die
früheren Meiler enthielten oft sehr viel mehr Holz. Zurück
Vom Abdecken zum Anzünden
Die Abdeckung des Meilers musste anders sein als hier früher praktiziert, da
wir keine Heidesoden hatten. Farnwedel oder Fichtenäste tun es auch.
Der Holzstapel wird dick mit Wedeln des Adlerfarns eingepackt und mit Soden
möglichst luftdicht umhüllt (die schlechten Grassoden reichten aus)
Bis auf die äußeren Stützhölzer ist der Meiler fertig!
Ein letzter Blick in den Quandelschacht kurz vorm Anzünden
Nebenbei wird ein Feuer vorbereitet... ...und erfolgreich entfacht, genug
für drei Eimer Glut, um den Meiler zu entzünden
Ein wenig Kleinholz wird in den Quandelschacht gefüllt und dann die Glut
hinterhergeschüttet: Der Meiler brennt! Zurück
Der
Meiler brennt: Auftakt schlafloser Köhlernächte
Nachdem das Feuer entfacht ist, schwelt es tagelang vor sich hin. Dabei darf es
weder verlöschen noch zu heftig werden. Foto Drews
Gleich nach dem Anzünden werden vorübergehend kräftige Belüftungslöcher in
die Meilerwand gestoßen.
Nochmal Holz in den Quandelschacht... ...endgültig verschließen und oben
ringsum Lüftungslöcher stechen
Obwohl äußerlich nicht viel geschieht, staunen faszinierte und interessierte
Gäste
Mit der Zeit erwiesen sich die Stützhölzer als überflüssig. Der Meiler
sackt... ...und sackt. Die Lüftungslöcher können immer tiefer gezogen werden.
Immer wieder müssen Risse gedichtet werden.
Irgendwie ist zuviel Luft hereingekommen, der Meiler sackt, und noch mehr
schädliche Luft kommt hinein. Sofortiges Ausbessern hilft! Foto Drews
Zuletzt wird der Meiler zum Auskühlen ganz abgedichtet
Die Scheite hinter einem Belüftungsloch sind zwar verrußt, aber noch
keineswegs verkohlt!
Zurück
Anstich, Ausnehmen, Löschen: Schufterei bis tief in die Nacht
Auch wenn der Meiler abgekühlt erscheint: noch überall sind Glutnester. Eine
Menge Wasser ist nötig, um die entstehenden Brände, die den Ertrag vermindern,
zu löschen. Erst nachts um eins war die Knochenarbeit schließlich zu Ende!
Das Ausnehmen eines Meilers wird gerne in die Abendstunden verlegt, weil sich
bei Dunkelheit die Glutnester gut erkennen lassen.
Der Meiler scheint fast erloschen... ...und wird erwartungsfroh angegraben
Die plötzliche Luftzufuhr... ...lässt die Glut wieder aufleben!
Die erste Holzkohle!
Sieben: eine Sauarbeit!
Glutnester sind bei Tageslicht schlecht erkennbar
Am Morgen danach: keine Holzkohle hat mehr Feuer gefangen
Ausbeute: knapp ½ t Holzkohle (ohne das nur halb verkohlte Holz)
Foto Nelle Zurück
Spurensuche im Wald: historische Meilerplätze
Zwar gibt es für schleswig-holsteinische Wälder viele historische Hinweise auf
Köhlerei. Die Reste der Meiler sind aber schwierig zu finden. Im Riesewohld
(mittlere Dithmarscher Geest) fand sich bisher nur eine Handvoll Belege.
Ring eines Standmeilers, nur im Stereobild (oben) oder bei Schneeschmelze (unten)
erkennbar
Für diese beiden Stereo-Bilder ist die Rotgrünbrille aufzusetzen, ggf. über
die getragene Brille! Klicken Sie alternativ die Stereobilder an.
Stereobild einer flach eingetieften Meilermulde
abtauender Schnee verdeutlicht einen Standmeilerplatz
Der Lehrer und engagierte Liebhaberfotograf Gustav Mahrt konnte zwischen den
Weltkriegen noch die Meilerei im Raume Rendsburg dokumentieren. Dieser Meiler
dürfte drei Holzstockwerke umfasst haben und vielleicht das zehnfache an
Holzkohle ergeben haben als der Versuchsmeiler in Alberdorf. Es wurde offenbar
Fichtenholz verköhlert.
Aus einem Beitrag von Hans-Hermann Storm im Bauernblatt Zurück
Bestimmung der Holzkohlen: mikroskopische Detektivarbeit
Unter Stereolupe und Mikroskop kann man Holzkohlestücke an charakteristischen
Merkmalen bestimmen, jedoch lassen sich nahe verwandte Baum- und Straucharten
oft nicht oder nur schwer trennen, so Pappel und Weide, beides Pioniere nach
vorheriger Waldauflichtung. (So kann Weißdorn hier auch für Wildapfel
stehen!). Die Vielfalt an Holzarten bedeutet nicht, dass alle zusammen
verköhlert wurden, da sicher mehrfach Meiler auf dem gleichen Platz angelegt
wurden. Eiche und vollends Buche wurden offenbar geschont und überwiegend
Weichholz verköhlert. Das Vorkommen von Schlehe deutet auf damalige Beweidung
des Waldes hin.
Holzkohle des Haselstrauches unter dem Mikroskop. Zur Diagnose sind die
Leiterplatten wichtig.
Ahorn-Holzkohle vergrößert. Die breiten Leitgefäße (liegend) sind auf
bestimmte charakteristische Weise spiralig ausgesteift.
Für diese beiden Stereo-Bilder ist die Rotgrünbrille aufzusetzen, ggf. über
die getragene Brille!
Schlämmt man die Erde aus den Meilerplätzen durch ein feines Teesieb, findet
man (außer den kleinen kugelförmigen Pilzen) verkohlte Zweiglein der
Heidekraut-Soden, mit denen der Meiler abgedeckt war.
Auch millimetergroße Holzkohlestückchen lassen sich bestimmen
Odderade-NE, Riesewohld, 2 Muldenmeiler nahe Fünffingerlinde (n=93):
Schneeball 4 - Schlehe 1 -
Eiche 10 -
Hainbuche 14 -
Weißdorn 8 -
Esche 2 -
Erle 24 -
Hasel 24 -
Pappel / Weide 6
Odderade, Flur Höll, alle Standmeiler (n=122):
Hainbuche 17 -
Schlehe 4 -
Pappel / Weide 8 -
Hasel 16 -
Erle 56 -
Weißdorn 11 -
Eiche 10 Zurück
Vergessene Meilertechnik: Schmiedekohle aus Torf
Nach der Sichtung von Gerichtsakten über einen durch Vermeilern von Torf
entstandenen Brand bei Tensbüttel fand W. Denker dort zahlreiche Mulden, Reste
der Meiler. "Die Torfkohle brauchte man als Schmiedekohle, sie gab
gleichmäßige, gute Wärme und keine Schlacken. Sie war besonders geeignet zur
Anfertigung von Sensen und Messern für die Häckselmaschine; ja leichter Zugang
zu Torfkohle galt als Bedingung zur Herstellung dieser Geräte. Steinkohle ist
dafür nicht gut ..., weil sie Schwefel enthält, und die Temperatur
stellenweise zu hoch wird auf dem Stahl ...", schrieb R. P. Sørensen
1939/42 über die letzte Torfköhlerei westlich von Flensburg.
Deckblatt einer Gerichtsakte aus dem Jahre 1804, wobei es um
Schadenersatzansprüche von Krumstedtern gegenüber dem Tensbütteler Landwirt
und Nebenerwerbs-Köhler Claus Peters ging. In den Akten wird der Sachverhalt im
damaligen Amtsdeutsch beschrieben:
Vor diesem hochlöblichen Gerichte erscheint der Eingesessene Claus Peters in
Tennsbüttel, Beklagter, Deduct und resp. Deduzent, wider den Kaufmann Tieß
Peters in Meldorf, mandat. noie einiger Meenthabern in Krumstedt, als Hermann
Busch allda et cons., Klägern, Deduzenten, und resp. Deducten, Citanten, in
Punct verlangter Ersetzung eines durch des Beklagten Kohlen Meiler ihnen
angeblich verursachten Schadens...
In Tensbüttel giebt es verschiedene Intereßenten, die mit Torfkohlen= Brennen
ein Gewerbe treiben, sie bedienen sich dazu eines Platzes auf der Tennsbüttler
Meente, wo ein jeder seinen Kohlenmeiler anleget und anzündet. Beklagter und
Deduct gehört mit zu diesen Intereßenten, und hat seit Jahren sich damit
beschäftigt, jezuweilen auf diesem Platze auch Kohlen zu brennen.
So errichtete er denn nun auch im Vorsommer 1800 einen solchen Meiler auf
gedachtem Platze, zündete denselben mit Hülfe seiner damaligen Dienstboten bey
bequemer und zu diesem Geschäfte dienlicher Witterung des Morgens an. Unerwartet
aber entstand einige Stunden hierauf ein heftiger Wind, der den Meiler aufriß,
das Feuer in demselben von einander, und in die umliegende Gegend vertrieb, da
solches denn die angränzende Heidelohe ergrif, anzündete, und sich von da in den
Krumstedter Gemeinheit (=Allgemeinbesitz) verbreitete.
Mindestens 62 Mulden kann man noch in den drei Tensbütteler Mooren finden. Sie
liegen auf heute noch unbewirtschaftetem Grund rund um die drei Moore und wurden
in den Sandboden eingetieft.
Um 1800 wurden hier gestochene und getrocknete Schwarztorf-Soden zu Torfkohle
vermeilert.
Für dieses Stereo-Bild ist die Rotgrünbrille aufzusetzen, ggf. über die
getragene Brille!
Nur wenige Millimeter messen verkohlte Teile von Zwergsträuchern, überwiegend
Besenheide, aus einer Handvoll Erde aus einer Mulde, wohl Reste der Abdeckung
der Meiler aus Heidesoden. Einzelne verkohlte Kiefernnadeln mögen auch von
späteren Bränden herrühren.
Überall in den Mulden finden sich kleinere Brocken von verkohltem oder
angekohltem Torf.
Drei Kleinmoore südlich von Tensbüttel mit den heute noch erkennbaren Mulden
(rot) ehemaliger Torfmeiler. Im Norden das Dehlmoor, im Osten das Hühner- und
im Westen das Kiebitzmoor.