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Die Deutung der Geoglyphen: seriös bis bizarr
Nur wenige archäologische Erscheinungen haben derart die Phantasie von Laien und Wissenschaftlern angeregt wie die Nazca-Geoglyphen – bis hin zu Erich v. Dänikens abstruser Alien-Theorie. Ein Grundsatzfehler dabei ist oft, alle Geoglyphen als eine zusammenhängende Einheit zu sehen – sie sind aber über einen Zeitraum von über 1000 Jahren entstanden und ständig geändert worden.
Neuere Forschungen, so das deutsch-schweizerisch-peruanische Nazca-Palpa-Projekt, erbrachten Deutungsansätze, die durchaus schon früher vertreten wurden, nun aber durch Befunde belegt werden können. So spricht Markus Reindel sinngemäß von einer geheiligten Landschaft. Hier nahmen die Geoglyphen eine Rolle ein, die woanders religiös inspirierten Bauwerken wie Pyramiden, Tempeln oder Megalithbauten zukam. Die bei den plattformartigen Strukturen geborgenen Resten von Opfergaben deuten auf Riten im Zusammenhang mit Wasser und Fruchtbarkeit. Geophysikalische Untersuchungen haben starke Bodenverdichtungen im Bereich der Nazca-Linien festgestellt, wie sie durch ständig wiederholtes Betreten durch viele Menschen, vielleicht im Rahmen kultischer Prozessionen, entstanden sein können. Dies ist durchaus vereinbar mit der Ansicht, dass lokale Gruppierungen von Geoglyphen zugleich sichtbare Zeichen einzelner Clans waren. Die zunehmende Größe der Geoglyphen in der Schlussphase wird mit immer aufwändigeren Ritualen erklärt, die dem Überhandnehmen der Wüsten entgegenwirken sollten.
Immer noch vertreten werden die erstmals durch Paul Kosok und Maria Reiche begründeten astronomischen Deutungen, vor allem durch den scheinbar offenkundigen Zusammenhang bestimmter Linien mit astronomischen Ereignissen (z. B. Sommer- und Wintersonnenwende), die besonders in der Oasenkultur wichtig waren für die kalendarische Bestimmung der Ankunft des Hochwassers in den Flüssen nach Beginn der Regenzeit im Hochland. Solche Aspekte können eine Deutung im Sinne eines Wasser- und Fruchtbarkeitskults ergänzen. Überprüfungen mit unterschiedlichen Methoden erwiesen allerdings, dass die überwiegende Mehrheit der Geoglyphen nicht mit astronomischen Orientierungen erklärt werden kann.
Andere "alles erklärende" Deutungen scheinen oft zu simpel gestrickt, um zu überzeugen. So wird von David Johnson behauptet, dass die Trapeze konkret nutzbare Wasserströme des Untergrundes, die geologischen Störungen folgen, anzeigen und genau darüberliegen, während Zickzacklinien das Fehlen unterirdischen Wassers markieren. Abgesehen davon, dass Trapeze oft über Zickzacklinien liegen, ist es wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, wenn als Begründung der Wasserführung ausschließlich der Ausschlag der selbst geführten Wünschelrute dient.
Mancheiner stellt sich z. B. Priester vor, die mit Gleitfliegern, Heißluftballons oder Drachen in die Höhe stiegen, da man die Figuren nur von oben ganz überblicken kann. Man vergisst dabei, dass man Personen, die auf den Geoglyphen unterwegs waren, meistens von Weitem erkennen konnte. Dazu kommen viele andere Laiendeutungen, z. B. als eine Art Sportarenen.
Cartoons: Tim Eckhorst www.timeckhorst.de

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