Zur Archäologie der Nazca-Geoglyphen und ihres Umfeldes

Die Geoglyphen Südperus führen zurück in die Nazca-Kultur (200 v: Chr. - 600 n. Chr.) und teilweise sogar in die vorhergehende Paracas-Kultur (800 - 200 v. Chr.). Beides sind bäuerliche Bewässerungskulturen, die sich auf die Flusstäler beschränkten (Übersicht; Kurzfassung bei Wikipedia). Weitaus die meisten Siedlungs- und Bestattungsplätze können leicht im Satellitenbild erkannt werden, weil sie durchweg von dicht an dicht liegenden, trichterartigen Raubgrabungslöchern durchsetzt sind. Sie liegen weitgehend an den Talrändern, also damals dicht jenseits des Randes der damals bewirtschaftbaren Flächen. Raubgrabungen sind in der Region leider sehr attraktiv, da nicht nur der Metallschmuck und die Töpferei hohe Sammlerpreise erzielen, sondern auch die einzigartig erhaltenen Textilien aus den Gräbern. – Übrigens: Der Bereich der Paracas- und Nazcakultur, wie sie archäologisch vor allem am Keramik- und Textilstil gefasst werden, reicht nach Norden weit über das Geoglyphengebiet hinaus!

Ob die heute noch teilweise aktiven Puquios, wie man die alten unterirdischen Bewässerungskanäle nennt, noch aus der Nazcakultur stammen, scheint nicht sicher erwiesen (Google-Maps-Bild mit Kontrollschächten historischer Puquios). Auf jeden Fall setzt aber eine intensive landwirtschaftliche Nutzung der Flusstäler ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem und die Kenntnis und Nutzung unterirdischer anzapfbarer Wasservorräte voraus, wie wir spätestens für die Nazca-Kultur annehmen müssen. Immerhin führen die Flüsse nur einmal im Jahr, nach der Regenzeit in den Anden, für kurze Zeit viel Wasser, was zur Bewässerung in den übrigen, fast völlig trockenen Monaten des Jahres ausreichen muss. Dies ist möglich über ein Anzapfen unterirdischer Wasserreserven in Kombination mit Maßnahmen zur effektiven Nutzung des Flusswassers über die Hochwasserzeit hinaus z. B. durch Kanalsysteme und Stauteiche. Zum Schutz vor Verdunstung hat man die Bewässerungskanäle überdeckt.

Abbildungen von Meerestieren – seien es Bodenzeichnungen von Walen oder Meeresvögeln, seien es entsprechende Darstellungen auf Keramik und Textilien – sowie Funde von entsprechenden Speiseresten und Spondylusmuscheln bezeugen, dass die Bewohner der Geoglyphengebiete offenbar gelegentlich das Meer aufgesucht haben oder im Zuge von Warenaustausch an Meeresprodukte gelangen konnten. Sicher ist auch die Nutzung des hier in der Wüste nicht natürlich vorkommenden Lamas. Wie die Erdzeichnung eines Affen belegt, kannte man auch diese in den weit entfernten Waldgebieten lebenden Tiere.

Schon Maria Reiche entdeckte, dass überall in und zwischen den Geoglyphen Scherben nazcazeitlicher Keramik zu finden ist. Da die meisten Geoglyphenfelder unbewohnbar sind, kann es sich dabei nicht um Siedlungsabfälle handeln. Neuere archäologische Untersuchungen in den Geoglyphen selbst erbrachten plattformartige Strukturen mit Resten ritueller Opfer, außerdem fanden sich Hinweise auf und Reste von Holzpfosten, die teils Bestandteile der Geoglyphen waren, teils als Sichtmarken zu interpretieren sind.

Was man sonst an archäologischen Spuren auf den Satellitenbildern findet

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