Die Deutung der Geoglyphen: seriös bis bizarr

Nur wenige archäologische Erscheinungen haben derart die Phantasie von Laien und Wissenschaftlern angeregt wie die Nazca-Geoglyphen – bis hin zu Erich v. Dänikens abstruser Alien-Theorie. Durch neuere Forschungen, vor allem das Nazca-Palpa-Projekt, kristallisieren sich Deutungsansätze heraus, die durchaus schon früher vertreten wurden, nun aber durch insgesamt verbesserte Kenntnisse auch besser belegt werden können. So spricht Markus Reindel sinngemäß von einer geheiligten Landschaft. Hier nahmen die Geoglyphen eine Rolle ein, der in anderen Kulturen religiös inspirierte Bauwerke wie Pyramiden, Tempel oder Megalithanlagen zukommt. Der Nachweis von plattformartigen Strukuren an den Geoglyphen und den dort geborgenen Resten von Opfergaben deuten auf Riten im Zusammenhang mit Wasser und Fruchtbarkeit. Geophysikalische Untersuchungen haben starke Bodenverdichtungen im Bereich der Nazca-Linien festgestellt, wie sie durch ständig wiederholtes Betreten durch viele Menschen, vielleicht im Rahmen kultischer Prozessionen, entstanden sein können. Dies ist durchaus vereinbar mit der Ansicht, dass lokale Gruppierungen von Geoglyphen zugleich sichtbare Zeichen einzelner Clans waren.

Stark vertreten werden auch astronomische Deutungen, vor allem durch den scheinbar offenkundigen Zusammenhang bestimmter Linien mit örtlichen astronomischen Ereignissen (Sommer- und Wintersonnenwende), die besonders in der Oasenkultur wichtig für die kalendarische Bestimmung der Jahreszeiten waren, in denen die Flussbetten das lebenswichtige Hochwasser führten. Auch solche Aspekte machen im Rahmen einer Ausdeutung im Sinne eines Wasser- und Fruchtbarkeitskult Sinn. Allerdings betont bereits Maria Reiche, dass die Vielzahl der Linien und Linienrichtungen auch zu zufälligen Übereinstimmungen mit astronomischen Ereignissen führen kann und dass manche nordsüdlich verlaufenden Linien in dieser äquatornahen Gegend astronomisch kaum Sinn machen.

Unbefriedigend bleiben die Deutungsversuche bezüglich der zu den Geoglyphen gehörenden Tierdarstellungen, die aber zahlenmäßig eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Nur ein Teil kann überhaupt sicher einem Tiertyp zugeordnet werden, so der Affe, der von Natur aus in diesem Gebiet nicht leben kann, oder die (z. T. "katzenköpfigen") Walfische. Oft sind die Umrisse einlinig und stellen sich als Bestandteile viel größer Liniensysteme heraus.

Andere "allerklärende" Deutungen scheinen oft zu simpel gestrickt, um richtig zu sein. So wird von David Johnson behauptet, dass die Trapeze konkret nutzbare Wasserströme des Untergrundes anzeigen und genau darüberliegen. Dies macht bei vielen Randlagen der Geoglyphen keinerlei Sinn, z. B. auf fast 1000 m hohen Bergplateaus weit weg von den viel tiefer gelegenen Oasentälern. Zudem ist es wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, wenn als Begründung solcher Thesen der Ausschlag der selbst probierte Wünschelrute herhalten muss.

Eine (sonst mit Vorsicht zu genießende) Internetseite fasst alle möglichen Deutungsübersichten zusammen (in englischer Sprache). Bei Internetsuche unter den Stichworten Nasca, Nazca, Nasca lines, Nascalinien usw. findet man unter verhältnismäßig wenigen seriösen Darstellung eine geballte Ladung Schwachsinn!

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