Landschaft und ihre Geschichte im Bereich der Nazca-Geoglyphen

Der Untergrund der Geoglyphenlandschaft um Nazca und Palpa ist aus geologisch jungen Ablagerungen aufgebaut, die sich am Westrand der Anden abgelagert haben und letztlich auf die Abtragung dieses Gebirges zurückgehen. Hier, wo bei immer noch aktiver Auffaltung der Anden die pazifische Nazcaplatte unter die Südamerikaplatte geschoben wird, befinden sich zahlreiche geologische Störungen und Bruchlinien. Die heutigen Bereiche der flacheren Pampa mit knapp 500 m Meereshöhe lagen ursprünglich erheblich tiefer, z. T. sogar vorübergehend unter dem Meeresspiegel, und sind später zu unterschiedlichen Höhen angehoben worden. In geologisch jüngster Zeit, vor allem in den niederschlagsreicheren Perioden des Eiszeitalters, haben sich Abflusssysteme und Erosionsrinnen eingetieft, so dass heute vielfach Hochflächen bzw. deren Reste erkennbar sind, die randlich stark erodiert und zertalt sind. Nur wenige der zerteilenden Flüsse führen ganzjährig Wasser. Sehr viele der erkennbaren Rinnensysteme sind heute ständig oder nahezu ständig trocken und somit ein Relikt früherer niederschlagsreicherer Zeiten. Nach Osten zu reicht die Verbreitung der Geoglyphen bis in die westlichen Ausläufer der Anden.

Der ganze Bereich gehört zu den niederschlagsärmsten Gebieten der Erde und ist, mit Ausnahme der oasenartigen Flusstäler, Wüste: der nördliche Ausläufer der riesigen, küstenparallelen Atacamawüste. Gründe für die geringen Niederschläge, etwa 5 mm jährlich, sind vor allem eine kalte küstenparallele Meeresströmung, der Humboldtstrom, der ein feuchtes atlantisches Klima im Küstensaum des südlichen Teils der Westküste Südamerikas verhindert. Zusätzlich wirkt sich im Bereich teilweise auch ein Höhenzug zwischen Hochflächen und Küste, die sog. Küstenkordilliere, abschirmend aus. Nur bei einem Ausfall der kalten Küstenströmung, dem sog. El-Niño-Ereignis, kann es (in jüngster Zeit offenbar vermehrt) zu ungewöhnlichen Regenfällen kommen. Mehr oder weniger das ganze Jahr über herrschen Tagestemperaturen zwischen 20 und 30 Grad.

So sind die wenigen jahreszeitlich feuchten Flusstäler Oasen und Lebensgrundlage des Menschen in diesem Gebiet – seit etwa 3500 Jahren, als noch erheblich weniger Fläche Wüste war als heute. Landwirtschaftlich dauerhaft nutzbar sind sie nur durch ausgeklügelte Bewässerungssysteme. Heute dominieren hier Baumwollplantagen.

Durch die starken Winde ist die Pampa im allgemeinen so stark ausgeblasen, dass sie durch eine dichte Decke freigewehter größerer und kleinerer Steine vor weiterer Winderosion geschützt ist. Entsprechend findet man in anderen Bereichen große Wanderdünengebiete, so den Cerro Blanco, die als die höchstgelegene Düne der Welt gilt. Die oberste Steinlage der Pampa ist oft prinzipiell seit Jahrtausenden oder Jahrzehntausenden unverändert. Je länger dieser Zeitraum der Unberührtheit ist, desto stärker sind die obersten Steinlagen purpurbraun verwittert, der unverwitterte Untergrund ist dagegen viel heller. Dies ändert sich entweder im Zuge natürlicher Erosion z. B. durch Wasserläufe oder durch Eingriffe des Menschen. Diese können sehr alt sein, wie die durch das Wegräumen der oberen Steinlage entstandenen Geoglyphen selbst, oder ganz jung wie die Spuren von Fahrzeugen, Bauwerken, Kultiverungsversuchen, Grafitti oder sonstigen Erdbewegungen.

Diese Seite ist noch im Aufbau!

Museums-Startseite mit Navigationsrahmen (unten)  Nazca-Startseite  Zurück © Volker Arnold, zuletzt geändert am: