Südseezauber: Mythos und Realität moderner Steinzeitkulturen in Papua-Neuguinea
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Frühe Bauern in Papua-Neuguinea
Die Insel Neuguinea wurde vor ca. 60.000 Jahren zum ersten Mal von Menschen besiedelt. Die Einwanderer kamen vermutlich mit kleinen Booten von der damals noch zusammenhängenden Landmasse Sunda, dem heutigen Indonesien.
Vor etwa 9.000 Jahren begannen die Menschen neben Sammeln und Jagen auch mit Ackerbau in zumeist brandgerodeten, kleinen Gärten. Damit ist Neuguinea weltweit eines der ersten Gebiete, in welchem sich die bäuerliche Wirtschaftsweise durchsetzte – in Norddeutschland geschah dies erst ca. 3.000 Jahre später! Bis heute versorgt sich nicht nur die ländliche Bevölkerung weitgehend selber mit eigenen, in den Gärten gezogenen Nahrungsmitteln.
Im traditionellen Weltbild besteht eine enge Verbindung zwischen Menschen, Pflanzen und Ahnen. Seit Jahrhunderten sind das stärkehaltige Kaukau, eine Süßkartoffel, und Sago, aus dem gerne ein als Saksak bekanntes Extrakt gewonnen wird, besonders häufig angebaute Nutzpflanzen. Zuckerrohr und Banane wurden – im Gegensatz zu Getreide – in den Küstenregionen von Neuguinea eigenständig kultiviert. Ansonsten konzentrierte man sich beim Anbau auf die Knollen- und Baumfrüchte. Wie die ursprünglich aus Südamerika stammende (Süß-)Kartoffel nach Neuguinea gelangte, ist bis heute ungeklärt. In jedem Fall geschah dies viele Jahrhunderte vor den Handelsfahrten der Europäer in der frühen Neuzeit.
Die Haustiere Schwein, Hund und Huhn, aber auch die Ratte wurden ebenfalls vom Menschen auf die Inseln Ozeaniens gebracht. Beliebte Fleischlieferanten sind Schwein (bis heute vor allem zu festlichen Anlässen, Geflügel und auch Fledermäuse. Die mit Pfeil und Bogen, Steinschleuder, Falle oder Blasrohr betriebene Jagd auf Wildtiere hat jedoch nie eine große Bedeutung für die Ernährung der Menschen gehabt.
Die „Naturvölker“ Melanesiens besaßen traditionell keine schriftlichen Traditionen und keine Kenntnis der Metallverarbeitung.
Bei vielen Völkern Neuguineas gab es die religiöse Vorstellung, dass Zerstörung von Leben die Vorbedingung des Lebens selber sei. Dies führte - zusammen mit einem überall stark ausgeprägten Ahnenkult sowie der kultischen Wiederholung des urzeitlichen Schöpfungsmythos – zu für uns heute unverständlichen Praktiken wie der Kopfjagd, dem rituellen Kannibalismus und der ständigen Kriegführung mit anderen Stämmen: Menschen, Ahnen und Götter sorgten dadurch gemeinsam dafür, dass die Welt und ihre soziale Ordnung in ihrem inneren Gleichgewicht erhalten blieben.

Seit Jahrtausenden funktioniert im Hochland die Selbstversorgungswirtschaft. Die Frauen bauen bis heute in den Gärten bei den Dörfern die Grundnahrungsmittel für die Familie an (Foto: Heiner Heine/MVG).
Schon der frühe Ackerbau führte seit ca. 7.000 v. Chr. auf Neuguinea zu einer starken Erosion des Bodens (Diagramm aus Goudie 1994).
Stammeskonflikte werden teilweise bis in die Gegenwart nach uraltem, religiös bestimmten Ritus ausgetragen: Ein Verwundeter des Hochlandvolkes der Dani wird vom Schlachtfeld getragen. Foto aus dem Jahre 1961 (aus Gardner u. Heider 1969).
Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Häuser noch vollständig in jahrtausendealter Tradition errichtet. Hier steht das Dach eines Hauses des Hochlandvolkes der Dani kurz vor der Deckung mit langem Gras. Foto aus dem Jahre 1961 (aus Gardner u. Heider 1969).
Eine Grundform der großen Auslegerboote Ozeaniens stellen die erweiterten Einbäume dar (Foto: Heiner Heine/MVG).
Bei Festen und zur überörtlichen Kommunikation werden traditionelle Schlitztrommeln (Garamut) und andere Musikinstrumente genutzt (Foto: Heiner Heine/MVG).


© Rüdiger Kelm, zuletzt geändert am: