Südseezauber: Mythos und Realität moderner Steinzeitkulturen in
Papua-Neuguinea
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Papua-Neuguinea – Leben zwischen Tradition und Moderne. Traditionelle
Gesellschaft und Alltag in Papua-Neuguinea
Überall, wo die Völker und Stämme Neuguineas in einen engeren Kontakt mit der
westlichen Kultur geraten sind, ist ein umfassender Wandel der geistigen und
materiellen Strukturen die Folge. Nur in wenigen abgelegenen Regionen im inneren
Hochland sind teilweise wohl Jahrtausende alte und damit steinzeitliche
Traditionen und deren materielle Gestaltungen bis in die Gegenwart erhalten
geblieben.
Die großen und farbenfrohen Tanz- und Singfeste, allgemein als „Sing Sing“
bekannt, stammen aus der Tradition des Wettstreits bzw. der Fehde der Stämme
untereinander, die durch die Feste ritualisiert worden sind und heute gewaltfrei
ablaufen. Die touristische Nutzung dieser großartigen Feste hat sich in den
letzten Jahren stark entwickelt.
Bei der traditionellen Aufteilung der Geschlechterrollen stand immer das Wohl
des gesamten Stammes im Vordergrund, auch wenn dabei der Einfluss des
weiblich-häuslichen Bereichs begrenzter war. Im Laufe der letzten Jahrzehnte
gewannen durch den Einfluss der westlichen Wertvorstellungen die männlichen
Domänen – öffentliche Tätigkeiten und Produktion – an Macht. Das Private und die
Reproduktion, die Hoheitsgebiete der Frauen, verloren dagegen an Ansehen.
Generell ist zu sagen, dass sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung seit der
Unabhängigkeit Papua-Neuguineas verschlechtert haben. Gründe dafür sind u. a.
die vom Ausland dominierte Wirtschaft, die niedrigen Steuereinnahmen, die durch
häufigen Personalwechsel bedingte politische Instabilität, das Problem der
Korruption, die hohe Arbeitslosigkeit und die daraus häufig folgende Gewalt in
Form von Stammeskriegen sowie durch Banden von Jugendlichen. Seit 2002 werden
deshalb u. a. die internen Wirtschaftskreisläufe mit einer offiziell wieder
eingeführten traditionellen Muschelgeldwährung stabilisiert.
Hilfe bieten hier die umfangreichen infrastrukturellen und sozialen Maßnahmen,
die durch das von der UNO per Mandat beauftragte Australien sowie durch viele
Kirchengemeinden vor Ort geleistet werden. Vor allem geht es hier um die
Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Schulbildung, gerade auch auf dem
Lande.
Durch das Aufeinanderprallen von traditionellen und westlichen Wertvorstellungen
sind heute viele Menschen in Papua-Neuguinea auf Identitätssuche. Viele
ethnische Gruppen sehen ihre Interessen nicht ausreichend durch die Regierung
vertreten. Unter anderem aus diesem Grund betreiben vor allem Frauengruppen
heute eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Mythen werden gezielt an die
junge Generation weitergegeben und die Herstellung von Objekten im
traditionellen kulturellen Rahmen praktiziert.
Das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Port Moresby ist in Form und Bemalung
einem traditionellen Ahnenhaus der Region des Sepik-Flusses nachempfunden (Foto:
Heiner Heine/MVG).
Viele der alten Traditionen – wie das Tragen der Festkleidung beim „Sing Sing“,
die überlieferten Tänze und Gesänge – werden bis heute gelebt (Foto: Heiner
Heine/MVG).
Bis heute leben im Hochland oft mehrere Generationen unter einem Dach. Die
kompakt gebauten Häuser sind traditionell um die offene Feuerstelle errichtet
(Foto: Heiner Heine/MVG).
Bei Familienfesten und vor allem bei Versöhnungsfeiern zelebriert man ein „Mumu“
– ein besonderes Mahl, zu dem ein wertvolles Schwein geschlachtet wird und an
dem die ganze Dorfgemeinschaft teilhat (Foto: Heiner Heine/MVG).
Einbaum und Pfahldorf am Unterlauf des Sepik um 1970 (Foto: Hans Fischer).
Häuptling Po Minis mit seiner Frau vor und nach der Ausbildung zum christlichen
Hilfsprediger (Fotos aus Anthropos 2, 1907).
©
Rüdiger Kelm, zuletzt geändert am: