Südseezauber: Mythos und Realität moderner Steinzeitkulturen in
Papua-Neuguinea
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Äpfel und Birnen? Analogien in der Archäologie
Mit ihren Methoden und Aussagemöglichkeiten begibt sich die Archäologie
(gedanklich) immer auf eine Art „Zeitreise“. Eine Reise in eine Vergangenheit,
die nur unvollständig und damit undeutlich überliefert ist. Die Stärke der
Archäologie liegt dabei im Bereich der materiellen Kultur. Bei fast jeder
Interpretation ihrer Quellen ist die Archäologie daher auf Analogien (griech.
„Übereinstimmungen“) und aus Analogien abgeleitete Schlussfolgerungen
angewiesen, da die Funde nicht von alleine für sich und ihre Vergangenheit
„sprechen“.
In diesem Zusammenhang ist die Völkerkunde als Ideengeber für
archäologische Interpretationen von großer Bedeutung, da es sich bei den
völkerkundlichen Kenntnissen aus der Gegenwart um bekannte und abgesicherte
Daten handelt. Vor allem durch Reisebeschreibungen und die Beobachtung der
sogenannten Wilden während der Kolonialzeit wurde eine große Zahl von Anregungen
gegeben, die zumeist unreflektiert auf die Archäologie übertragen wurden. Trotz
aller nicht zuletzt auch politisch motivierten (Fehl-)Urteile kann die
Völkerkunde jedoch auch heute mit einem quellenkritischen, kulturvergleichenden
Ansatz im Sinne einer illustrativen Ergänzung unbekannter Elemente eines
archäologischen Befundes dienen. Gleichzeitig zeigt dies auch eine Abhängigkeit
der Archäologie bei der Erforschung der Funktion von Sachgütern in konkreten
Lebenszusammenhängen auf.
Zu betonen bleibt, dass eine umfassende Interpretation archäologischer Befunde
durch einen Analogieschluss allein nur schwer möglich ist, da es sich aufgrund
der Quellenlage immer um Behauptungen nicht beweisbarer Ähnlichkeiten handeln
muss. Andererseits hat die Nutzung von Analogien aus der Ethnologie ihre
wichtige und klare Berechtigung im Bereich der Vermittlungsarbeit
archäologischer Erkenntnisse und Arbeitsweisen, wenn offen auf die damit
zusammenhängenden Problematiken hingewiesen wird.
Durch die in den letzten Jahrzehnten mit völkerkundlichen Feldforschungen
gewonnene große Zahl von systematischen Fallstudien liegt für die Archäologie
ein umfangreiches Reservoir von Analogien für archäologische Interpretationen
vor. Die daraus gewonnenen Ergebnisse können im Sinne eines interkulturellen
Vergleichs viele Überlegungen zur Funktion materieller Objekte, aber auch zur
generellen Organisation menschlicher Gesellschaften ermöglichen. Auch wenn
dadurch keine auf „kulturelle Gesetze“ gegründeten allgemeinverbindlichen
Aussagen möglich werden, regen sie zum prinzipiellen Nachdenken und Hinterfragen
menschlicher Verhaltensweisen an – vielleicht liegt der größte Wert von
kulturvergleichenden Analogien gerade darin?
Blick in die Inneneinrichtung eines „Steinzeithauses“ im Steinzeitpark Albersdorf. Die eingebauten Elemente basieren auf archäologischen Befunden der Zeit um 3.000 v. Chr. aus ganz Mitteleuropa, sind aber auch durch völkerkundliche Vergleiche inspiriert.
Herstellung und Präsentation von „prähistorischen“ Feuersteingeräten im AÖZA – auch archäologische Versuche greifen Ideen aus der Völkerkunde auf.
Die Gegenüberstellung von „Urmensch (links) und Wilder (rechts)“ im Jahre 1921 (aus O. Hauser, Urmensch und Wilder. Eine Parallele aus Urwelttagen und Gegenwart. Berlin 1921).
Teilweise sind die Ähnlichkeiten in den Formen von gleich verwendeten Geräten über Zeit und Raum erstaunlich groß: Pfeilspitzen mit keulenförmigen Köpfen aus Papua-Neuguinea und eine Replik nach jungsteinzeitlichem Vorbild aus Europa.
©
Rüdiger Kelm, zuletzt geändert am: