Südseezauber: Mythos und Realität moderner Steinzeitkulturen in Papua-Neuguinea
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Kolonialmächte und Ideenbringer – Bilder von Europa in Papua-Neuguinea
Die Begegnung mit Europa und der westlichen Welt im allgemeinen geschah in Neuguinea auf zeitlich und sachlich verschiedenen Ebenen, die sich sowohl in ihrer Intensität als auch in ihrer Dauerhaftigkeit und Tiefe voneinander unterschieden: Der Bogen reicht von der imperialistischen Kolonialzeit bis zu den großen Hilfsprojekten westlicher Organisationen.
Heute sind viele westliche (Wert-)Vorstellungen auch in Neuguinea üblich, sei es in Blick auf die (materielle und soziale) Lebensweise, über das Konsumverhalten bis hin zur christlichen Religion, zu welcher sich ca. 80 % der Bevölkerung bekennen. Bei den meisten großen Firmen, welche die Bodenschätze des Landes (Gold, Kupfer und Tropenhölzer) nutzen, handelt es sich um ausländische Investoren. Dies gilt auch für den umfassenden Anbau und Export von Kaffee, Palmöl, Kopra, Kakao und Garnelen. Haupthandelspartner sind heute (in dieser Reihenfolge) Japan, Australien und Deutschland.
Folgende Zitate stammen von 1998 geführten Interviews mit Frauen aus Papua-Neuguinea, die sich eine zeitlang in Deutschland aufgehalten haben. Sie geben einen Eindruck vom gegenwärtigen Blick auf Europa aus Sicht von Bürgern Papua-Neuguineas. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach Wegen des Verstehens, wobei die eigene Kultur als Spiegel dient:
(L., 24 J.) „Ich fühlte mich lange Zeit allein, es ist eine Kultur, in der es nicht einfach ist, Freunde zu finden. Die Leute sind immer geschäftig und in Eile. Sie lächeln nicht und das Land lächelt auch nicht.“ „Wenn man mit ihnen über ihr Leben und ihre Lebensweise sprechen will, erzählen sie vom Geschäft, von der Arbeit, von Geld oder über die neueste Mode. Ich fühlte mich als nicht dazugehörig. Ich passte nicht in die westliche Gesellschaft.“ „Zuhause, im Dorf, sind immer so viele Leute um einen herum, mit denen man sich unterhalten kann. Ich hatte einfach nicht gelernt, mich mit niemandem – also mit mir selbst – zu unterhalten. Das ist der große Unterschied.“ „Auf der anderen Seite ist es gerade dies, was einem das Gefühl von Freiheit geben kann. Keiner kümmert sich darum, was du machst, wie du dich kleidest, wo du hingehst. Das ist, was mir an Deutschland gefiel.“ „Und wenn die Leute sehen, dass ich etwas für sie Ungewohntes mit meinem Kind tue, dann sage ich: `Sieh, dies ist mein Kind und meine Art. Wenn du denkst, es ist nicht gut, dann ist das dein Problem. Du kannst nicht erwarten, dass die Welt so ist, wie du sie gern hättest.“ „Aber die geschäftigen deutschen Frauen haben es auch gut in einer Weise, die Dinge sind schon für sie getan worden. Sie müssen nichts schleppen, sie haben ein Auto oder nehmen den Bus. Sie müssen keine große Familie mit Essen versorgen. Sie gehen in den Supermarkt, um ihre Gartenfrüchte zu ernten. Wir hängen von unserer eigenen Arbeit ab, wenn es um die Versorgung geht.“
(M., 42 J.) „Überhaupt sind die jungen Leute sehr früh unabhängig und brechen aus der Familie aus. In meiner Gastfamilie sagte der 17jährige Junge, er ginge zum Tanzen und dann ging er. In Papua-Neuguinea wäre das nicht möglich.“ „Ich bin groß geworden in einer einfachen Familie. Wir hatten nicht genug von den Dingen, die die Weißen haben. Meine Absicht war nicht, wie die Weißen zu sein, sondern einfach zu bleiben. Das ist mir vertraut. Ich mochte am liebsten die Plätze in Europa, an denen die Leute einfach lebten. Da fühlte ich mich wohler.“
(T., 35 J.) „Was ich in Deutschland gelernt habe, ist, meine Arbeit und sogar mein persönliches Leben nach einem Zeitplan zu organisieren. Hier macht man alles, wie man gerade Lust hat. Wenn man gerade schlafen will, dann schläft man eben und macht die Arbeit morgen. Diese Haltung hat mir zuerst in Deutschland persönlich und dann wieder mit meinen Kollegen Arbeitskrisen beschert.“ „In Deutschland verdienen der Mann und die Frau Geld. Sie können reich werden. Hier ist das nicht möglich. Das Wantok-System frisst alles auf, was du verdienst. Das heißt sobald du ein bisschen Geld machst, kommen deine Verwandten und wollen etwas abhaben. Sie brauchen deine Hilfe und du gibst sie ihnen.“

Viele Menschen im modernen Staat Papua-Neuguinea sind sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben im Zwiespalt zwischen Traditionen und Moderne (Zeichnung zum Weltgebetstag der Frauen 2009/MVG).
Der Regenwald Neuguineas ist in Gefahr, weil ausländische Firmen große Flächen teilweise illegal roden. Die großräumige Entwaldung führt zu Bodenerosion und Klimaveränderung (Foto: Heiner Heine/MVG).
Bei Reisen werden viele neue Eindrücke in einer fremden Lebensumgebung gesammelt - Besuch einer Delegation aus Papua Neuguinea im Albersdorfer AÖZA im Sommer 2008 (Foto: Martin Fritz).

© Rüdiger Kelm, zuletzt geändert am: