Südseezauber: Mythos und Realität moderner Steinzeitkulturen in Papua-Neuguinea
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Wir werden immer besser? Die alltägliche Evolution im Kopf
„Sind wir, die sogenannten zivilisierten Völker, wirklich so viel besser als diese Leute hier? Hier werden bei einer Auseinandersetzung einige Individuen getötet, in Europa sind es bei einem Krieg Tausende.“
(Emil Nolde, 1914, während eines Aufenthalts in Madang im Nordosten Neuguineas)
In Ausstellungen werden häufig Rekonstruktionen von archäologischen Funden gezeigt und auch angewendet. Die wissenschaftliche Betrachtung von prähistorischen Werkzeugen und ihren Funktionen geschieht dabei häufig unausgesprochen auf einer evolutionistisch geprägten Basis - d. h. die Forscher gehen grundsätzlich davon aus, dass es immer eine Entwicklung von einem Niedrigeren zu einem Höheren und Wertvolleren gibt. Dadurch entsteht ein ethisches Problem, denn die evolutionistische Betrachtung der Geräte wird häufig genug unkritisch auch auf die Betrachtung der diese Geräte ehemals (oder heute) benutzenden Menschen und Völker übertragen.
Begreift man (archäologische) Kultur(gruppen) als materiellen Ausdruck einer funktionalen Anpassung an die Umwelt, dann besteht durchaus eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ähnliche (Lebens-)Umwelten in der Vergangenheit und in der Gegenwart in ähnlicher Weise durch den Menschen manipuliert wurden und werden. Um jedoch eine solche Hypothese im Vergleich verschiedener Kulturgruppen aufstellen zu können, sollte durch eine möglichst große Menge von wissenschaftlichen Analysen eine ausreichend große Zahl von nachprüfbaren Daten vorliegen, die es zumindest erlauben, eine solche Annahme nicht auszuschließen bzw. ihr eine hohe Wahrscheinlichkeit zusprechen zu können. Dazu können die formale Analyse von Funden, die Untersuchung von Fundverbreitungen, die experimentelle Herstellung von entsprechenden Repliken sowie ein Vergleich mit heute lebenden indigenen Völkern in verschiedenen Regionen gehören.
Eine Bildungseinrichtung wie das AÖZA sollte jedoch völkerkundliche Analogien im handwerklich-technischen Bereich der Museumspädagogik einsetzen dürfen. Wichtig ist dabei, dass die eingeschränkte Quellengrundlage offen und klar für den Besucher dargestellt wird. Dies gilt gerade auch dann, wenn im Sinne der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) ein Querbezug zu heute lebenden Kulturen und Völkern und ihren gegenwärtigen Problemen bei der Landnutzung und Ernährung hergestellt werden kann. Diese Querbezüge zwischen Archäologie und Ethnologie dienen dann nicht nur der Illustration und dem Vergleich von materiellen Phänomenen. Sie können so im besten Sinne der BNE auch einen kreativen Beitrag zum Verständnis früherer und heutiger, in Raum und Zeit voneinander getrennter „fremder Kulturen“ im Zeitalter der Globalisierung leisten.
Die Zukunft von Papua-Neuguinea – eingebunden in die Traditionen (Foto: Marina Eitzen-Janta).
Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können – auch für die Kleinsten in Papua-Neuguinea (Foto: Heiner Heine/MVG).
Viele Produkte werden auf Märkten speziell für Fremde, zumeist Touristen, angeboten. Häufig dienen touristische Einkäufe von Souvenirs der Bestätigung der bereits vorhandenen Vorstellungen, die man sich von seiner Urlaubsregion gemacht hat. Der Markt der Bereisten richtet sich auch in Papua-Neuguinea nach dieser Nachfrage aus. 
Kontakte schaffen Verständnis - Besuch einer Delegation aus Papua-Neuguinea im Albersdorfer AÖZA im Sommer 2008 (Foto: Martin Fritz).


© Rüdiger Kelm, zuletzt geändert am: