Der Riesewohld - Dithmarschens KultUrwald
Kurzansprache Dr. V. Arnold zur Eröffnung Teil 2 (18. 5. 2008)

Lieber Bürgermeister Manfred Trube, sehr geehrte Vertreter offizieller Einrichtungen, liebe Naturfreunde, liebe Gäste,
leider kann ich Sie nicht mitten in unserer heute zu eröffnenden zweiten Sonderausstellung zum Riesewohld begrüßen, denn da würde es eng. Es ist zugegebenermaßen eine Ausstellung, die eher für Einzelbesucher gedacht ist als für Gruppen und Klassen. Dafür bietet sie Nähe, Stimmung, aber auch vielfältige Information, teils summarisch oder exemplarisch, in Einzelfällen aber durchaus anspruchsvoll und in die Tiefe gehend. Darunter wird manche Information sein, die der oder dem einen oder anderen von Ihnen banal vorkommen mag, zum Beispiel denjenigen unter Ihnen, die mit Bäumen und Gehölzen beruflich, im Waldbau oder im Garten zu tun haben. Andererseits mögen diese Informationen solche Mitbürger überfordern, die bei einer Umfrage in einer Einkaufsstraße außer Eichen und Birken keine weitere Baumart nennen konnten, geschweige denn erkennen könnten.
Uns, das ist für die Arbeitsgruppe Riesewohld im Verein für Dithmarscher Landeskunde Walter Denker und ich, haben uns eine unterstützende Mitwirkung für die Erhaltung und die naturnahe Entwicklung des Riesewohldes sowie für den Schutz dieses Waldes vor negativen Veränderungen auf die Fahnen geschrieben und bieten anderen Institutionen mit ähnlicher Zielsetzung, zum Beispiel der Stiftung Naturschutz als nunmehr größtem Waldbesitzer im Riesewohld, unsere Mitarbeit an. Hierzu sollen auch die beiden Ausstellungen zum Riesewohld, die vorjährige und diese, ein Beitrag sein.
Dass dieses Waldgebiet zwischen Sarzbüttel und Osterwohld, zwischen Röst und Westerwohld in vielen Teilen ein Juwel der Naturnähe ist, spricht sich in einschlägigen Kreisen innerhalb und außerhalb Schleswig-Holsteins mehr und mehr herum. Man hat aber den Eindruck, dass dies bei vielen Einheimischen noch nicht so recht angekommen ist, denn für viele von ihnen ist der Wald eher eine Ansammlung mehr oder weniger nützlichen Holzes oder ein Rückzugsgebiet für allerlei Jagdgetier, Einstellungen, die ich so nicht teile, aber respektieren muss. Er ist für manche aber auch ein willkommener Abladeplatz für allerlei Garten-, sogar Hausabfälle und Bauschutt offenbar ohne Ende. Vermehrter Einschlag durch veränderte Holzpreise, neue Holzerntetechniken mit Großgeräten und milde Winter, die den Waldboden nicht mehr hartfrieren lassen, führen in vielen kleinen Schritten zu meist negativen Änderungen, die meiner Meinung nach vielfach dem Verschlechterungsverbot für Flora-Fauna-Habitatgebiete zuwider laufen. Ich könnte dafür Beispiele aufzählen, die von der systematischen Entnahme der Esche als wichtigem Schutzbaum einer charakteristischen Bodenvegetation reichen bis zur systematischen und maßlosen Trockenlegung eines Laubwaldes, der schleichenden Verfüllung von Laichgewässern oder dem wiederholten Totholzdiebstahl aus Flächen der Stiftung Naturschutz.
Ich hoffe, dass die vorjährige und diese Ausstellung deutlich machen, dass ein naturnaher Wald erheblich mehr bedeutet als nur eine Ansammlung nützlicher Bäume. In welchem angepflanztem Forst, und wenn er schon Generationen alt ist, finden Sie die Vielfalt einheimischer Gehölze, Waldstauden, -kräuter, -gräser, -farne und Moose wie in einem Wald mit jahrtausendelanger Tradition wie dem Riesewohld? Solch ein System hat sich in der Vergangenheit als erstaunlich dauerhaft erwiesen und hat vielerlei menschliche Eingriffe verkraftet, allerdings unter mancherlei Verlusten. Wir dürfen uns aber nicht darauf verlassen, dass dies auch so so bleibt und müssen die Auswirkungen weiterer Eingriffe in den Wald und sein mitbestimmendes Umfeld kritisch und notfalls korrigierend begleiten.
Herr Prof. Dr. Oliver Nelle vom Ökologiezentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat sich freundlicherweise bereit erklärt, uns in das Thema der Sonderausstellung einzuführen. Ich möchte ihm hiermit das Wort übergeben.

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