Der Riesewohld - Dithmarschens KultUrwald

Zur Sarzbütteler Holzordung von 1619  (Originaltext)

Für die Gemeinde Sarzbüttel, zu der ein großer Anteil des Riesewohldgebietes gehört, ist eine von Reimer Hansen in der Zeitschrift Dithmarschen 1925 publizierte Holzschul-Beliebung von 1619 erhalten (Beliebung: alter Ausdruck für ein mit Zustimmung aller Beteiligten verfasstes Regelwerk). Sie regelt nicht nur die Aufgaben und die Wahl der von der Nutzergemeinschaft ("Holzschule") eingesetzten Holzvögte, sondern auch u. a. die erlaubte Holzentnahme in gemeineigenem Wald, die Bestrafung unerlaubter Holzentnahme in eines anderen Waldstück sowie die Zeiträume der erlaubten Gewinnung verschiedenster Nutzhölzer. Die Beweidung des Waldes war damals so allgemein, dass sie in der Ordnung nicht weiter erwähnt wird, während eine andere aus Norderdithmarschen erhaltene Holzschulordung von 1751 (von Marten im gleichen Jahrgang der Zeitschrift veröffentlicht) immerhin die besonders schädliche Beweidung durch Ziegen ohne Erlaubnis des Eigentümers ausdrücklich unter Strafe stellt. - Damals war bereits ein Teil des Waldes privater Besitz, andere Teile waren Allgemeinbesitz (Meente).
Zunächst wurde geregelt, dass ein Waldbesitzer, der Teile seines Holzes an Fremde verkaufen wolle, persönlich dafür verantwortlich sei, dass der Aufkäufer das Holz nur auf dessen und nicht auf fremden Grund haue. Ferner musste jährlich beeiden, dass man kein fremdes Holz geschlagen noch jemand dabei beobachtet habe. Dies galt nicht für die Meente, wo jeder Anteilseigner soviele "Wedden" (Zweige für Flechtwerk), Riese (Reisig) oder Brettholz entnehmen durfte wie er wollte.
Ferner wurde die Holzentnahme auf bestimmte Zeiten des Winterhalbjahres begrenzt, nicht nur für das "Führ- edder Boholt" (Feuer- oder Bauholz), sondern auch für Bandholz, Hopfenstangen, "Rechter" (Dachlatten), "Lehmstaken" (Stützhölzer in Lehmwänden), Dornholz (gebraucht z. B. für Einfriedigungen), "Tremen" (Leitersprossen), "Padtdohrn" (Paten: Jungpflanzen, hier von Dornhölzern), "Dackschlehte" (Holzgerät zum Schlichten des Reetdaches), "Wedden", "Rode" (Ruten), "Schwapenstelen" (Peitschenstiele) und "Klufen" (Spaltholz). Ausnahmen waren zu anderen Jahreszeiten nur für den Eigenbedarf gestattet, mussten aber dem Holzvogt vorher angezeigt werden. Den Rest des Jahres waren die Holzungen zu schonen ("im Hege stahn"). Bei akutem Schaden an landwirtschaftlichen Geräten war unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, sich jederzeit vor Ort fremdes Holz zur Sofortreparatur zu entnehmen, sofern eine nachträgliche Benachrichtigung des Holzvogtes erfolgte. - Die durchaus beträchtlichen Bußgelder bei Regelverstößen gingen zum Teil an die Nutzergemeinschaft, zum Teil an den Landesherren.  Zurück

Sartzbüttelsche Holtzordnung (1619)

Im Nahmen der Heiligen Dreyfaltigkeit, Amen! Kund und to weten sy hiemit jedermänniglich, dat de Ingesetenen der Buhrschoppe Tensbüttel, Röste, Viel, Sartzbüttel, Lehrsbüttel, Odderahde, Halenborn und Westerwohlde samt andern, so in gemelter Buhrschoppefeldmarcke Holtungen liggen hebben, to folge enes ergangenen Bottbriefes dato unden bemeldt vor dem Königl. Herrn Landvagde, dem Ehrenvesten Wohlgelahrden Nikolao Bruhn in der Gerichts-Stube to Meldorp erschenen und wegen der Höltungen, so up jezgemelter Buhrschoppe Feldmarckede belegen, ene Belevinge under sick upgerichtet, welckere ock von enen ingesamt also belevet worden. Nemlich vorerst syn se averehngekahmen, dat sick nemande under ehnen verdriesten scholde, einen frembden int Holt to staden besondern wo ener wat verkoffe, de schall tosehn, dat de Köper nenen andern, etwas affhowde edder schniede, to welcker Behoff de Verköper sülven persönlich edder ock dorch enen gnoghafftigen Vollmächtigen mit int Holt gahn und wedder uht der Feldmarckede beleitsagen schall; deit de Köper averst einem andern in syner Höltung Schaden, den schall de Verköper obrichten und an de Holtschole 90 Schilling verbracken hebben; imgliecken dem Kläger sien Holt bethalen und dem Herrn to Register gebrocht werden.
Thom andern hebben se sick ferner verehnbahret, dat se willen jahrlicks eenmahl als den Dingstag nah Palmarum um 10 Uhren vor Middage to Sartzbüttel tosamen kamen, da denn een jeder utherhalff der hogen Noth sülven persönlick jegenwerdig syn schall, und beedes vor sick und sien gantzes Hußgesinde sinen körperlichen Aydt leisten, dat he neenen andern Holt affgehauen edder affgeschneden hebbe, ock nemand up enes andern Höltung gesehn hauen edder schnieden; würde averst jemand bedrapen, de schall an de Holtschole 90 Schilling verbracken hebben, dem Klägern sien Holt bethalen und dem Herrn to Register gebrocht werden. Daferne ock jemand under ehnen op de bestemmede Tied nicht tor Stede wäre und ahne jenige erhefliche Orsacke weder synen Aydt leisten noch andere eren Ayd anhören wörde, de sülvige schall alsobald eenen halven Dahler tor Straffe geben an de Holtschole.  Zurück
So ferne ock jemand under enen op den Meinayd beschlagen wörde, dat he etwas verschwegen, so he van andern gesehen, edder vor sick un de Sinen övel geschwaren, de sulvige schall stracks ahne jennige Begnadungen 90 Schilling tor Straffe an de Holtschole geven, demjenigen, de den Schaden geleden, syn Holt bethalen, und to des Herrn Register gebrocht werden. Up den Fall averst etlicke under enen wären, de Holtinge edder Busch tosamen ungedehlet hedden, so mag ein jeder, dem solcke gemene Holtunge edder Busch mit angeit, so veel von Wedden, Riese un Bretholte dar ut hauen als eme nohtwendig, und schall deswegen to kenem Ayde verbunden syn.
Wenn se ock ere Tosamenkunfft vorgedachter maßen holden, so schall ein jeder guden Frede hebben und keinen Mohtwillen gebrucken mit Schlägen, Stöten, noch mit Worden edder Wercken, ock nicht op Wegen oder Stegen uht edder to Huß; würde aber jemand darjegen handeln, de schall an de Holtschole 90 Schilling verbracken hebben und dem Herrn to Register gebrocht werden.
Wegen des Pathdorns, densulven op den sinen uhttografen und to paten is verafschedet, dat solckes van den Mahndage na Mich. an innerhalf 14 Dagen geschehen schall.
Ock schall keinmand bemächtigt syn, uht enes andern Hölting Schechte und Wedden ane deßulven Verlöfniße, den de Höltinge togehöret, to schnieden edder to hauen by Straffe 90 Schilling an der Holtschole und des Herrn willkörliche Bröcke.
Wat de Tied anbelanget, wenn dat Führ- edder Buholt und dergliecken schöle gefället werden, is verafschedet, so veel erstlich dat Bandtholt, Hoppenstacken, Rechtern, Lehmstacken, Dorn, Tremen, Padtdohrn, Dackschlehte, Wedden und Rode bedrifft, schall damit solckes to hauen und to schnieden 4 Wecken van Marien Heimsökung Abend geschehen, sondern schall solckes darna dat gantze Jahr aver im Hege stahn, dat nemand buten jetztgenöhmder Tied van den geröhrten Dingen noch ock keen Holt to Schwapenstelen edder to Klufen darin to hauen edder to schnieden, veelweniger to Markede to bringen befunden werde, by Bröcke 90 Schilling an de Holtschole und des Herrn willkörlicher Straffe. Jedoch, so ferne jemand under ehnen buten jetzt benohmede Tied to syner Hußholdinge etwas darvan to hauen und to schnieden sonderlich nöhdig syn würde, schall ehme solckes ungewehret syn, jedoch dat he idt to förne jemand van de verordneten Holtvögden an dem Ohrde, dar solckes geschütt, antögen scholle.
Wat tom andern dat Führ- und Buholt bedript, is verafschedet, dat solckes van dem Mahndage na Michaelis an bet Mariä Verkündigung schöle gehauen werden und de övrige Tiedt des Jahres im Hege stahn, by Straffe 90 Schilling an de Holtschole und des Heren willkörlicker Bröcke, so offt jemand hiergegen handeln wert.  Zurück
Wörde aver jemand sonders benöhdiget syn, buten solcker Tied von graven Holte etwas to siner egnen Hußholdinge edder ock to verköpen to hauen, schall om solckes op den sinen to dohnde unbenahmen syn, jedoch dat he idt tovörne jemand van den verordneden Holtvöigden an dem Orde, dar solck grof Holt gehauen wert, antögen scholde. So ferne ock jemand under ehnen in der Lenten ebder Arnte an synen Plog edder Wagen in dem Felde edder Holte etwas tobröcke, so schall em fry stahn, des Ortes, da em solcke Noht ankömt, soferne he in der Ile up sine egne Hölting nicht kamen konde, op enes andern Holtingen Wedde edder Wagenplück, ock woll ene Wagenrunde to hauende, jedoch schall he alsobald darna jemand van den Holtvögeden, dar solckes also geschehen, antögen, wat, wo vele und to welker Stede, ock worto he solckes gehauen hebbe, damit keen Gefehrde darin möge gebrucket werden; des schölen alle Jahre in erer Tosamenkunfft des Dingsdages na Palmarum nye Holtvögde verordnet werden, und so ferne de Holtvögde er Amt nicht mit Flyte und trulick verrichten werden, scholen se in glicker Straffe als de Verbrecker genamen werden. Und beholden se sick bevor, düße Ordnung hernegst to mindern, to mehren edder to verbetern; bet darhen averst, dat solckes dorch ere allgemene Beleving und Gutachtend geschehen wird, schall düße vorschrevene Ordnung feste und unverbracken geholden werden. Woraver se ock des Königl. Gerichts to Meldorp confirmation und Bestädigung söcken und bilden willen.

Urkundlich dieses mit wollgemelten Heren Landvogts undergedrückten Pittschafft bekräfftiget. Actum Melldorf d. 12. Febr. 1619.

Eyd, so ein jeder ablegen muß: Ich N. schwere zu Gott und seinem H. Evangelio einen Eyd, daß ich in Sartzbütteler, Odderader, Lehrsbütteler, Tensbütteler, Röster und Westerwohlder Holtz keinem andern Holtz abgehauen oder abgeschnitten oder abgesaget oder weggenommen noch durch die Meinigen oder sonst jemand thun laßen, auch niemand auf eines andern Holtzung hauen, sagen oder schneiden gesehen, so wahr mir Gott helfen soll.

Eyd der Holzvögte: Ich N. schwere etc., nachdem ich von der Obrigkeit jezo zum Holzvoigt der Sartzbüttler Holzschule verordnet bin, daß ich solchem Amte getreulich und nach bestem Verstande vorstehen, auch so viel möglich, fleißig darauf sehen will, daß die Holtzungen gebührend gehauen, zu rechter Zeit geheget, und wenn solchem zuwieder gehandelt werden und ich jemand betreffen solte, will ich solches gehörigen Ortes anmelden und nicht verschweigen. So wahr mir G. h.

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