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...Quellmoore als Archive der Wald- und Vegetationsgeschichte
Die Bestimmung von Pollenkörnern aus älteren Ablagerungen (wie Torfen) ermöglicht detaillierte Einblicke in die Geschichte der Vegetation. Bei gezielter Suche fanden sich im Riesewohld einige wenige für die Pollenanalyse geeignete, kleine Quellmoore.
In untersuchten Bohrkernen aus einem der Kleinstmoore war der in den letzten 4000 Jahren abgelagerte Blütenstaub gut erhalten.

Besonders bei Kiefern ist das Stäuben der männlichen Blüten im Mai auffallend.
Der Käfer, ein Zangenbock, hat sich beim Pollen-Mahl an blühenden Weidenkätzchen mit Blütenstaub bepudert.
Ergebnis der Labor- und Mikroskoparbeit vieler Wochen: das Pollendiagramm (Auszug), beruhend auf etwa 15000 bestimmten Pollenkörnern
Durch fünf C14-Daten von Torfproben wurde ein Zeitgerüst des Pollendiagramms erstellt, auf dem die angegebenen Zeitabschnitte beruhen (A-E). Außer dem leicht über große Strecken verwehten Kiefernpollen dürfte der Pollenniederschlag die Vegetation der nächsten Umgebung spiegeln.
A: Das Torfwachstum setzt mit der ältesten Bronzezeit um ca. 1800 v. Chr. ein. Der Wald ist kaum, aber keineswegs ungestört. Vereinzelt scheinen Kiefern (1) in der Nähe zu wachsen. Dem relativ geringen Eichenanteil (2) stehen deutliche Anteile von Linde (3) und Ulme (4) gegenüber. Auf Neuwuchs im Wald nach früherer Auslichtung könnten die hohen Haselwerte (5) hinweisen. Ackerbau spielt fast keine, Waldweide, nach den geringen Wildgraswerten (6) zu urteilen, nur eine untergeordnete Rolle.
B: In jüngerer Bronzezeit und vorrömischer Eisenzeit gehen die Waldbäume zu Gunsten anderer Pflanzen-Wuchstypen zurück (7). Die Eiche breitet sich stark aus (8). Signifikante Getreidewerte (9) und ein starker Anstieg der Wildgräser (10) deuten auf Ackerbau und Viehhaltung in der Nähe.
C: Nicht so deutlich wie erwartet zeigt sich die Wiederbewaldung (11), nun mit Beteiligung der Buche (12), nach der Völkerwanderung. Die Wildgräser als Anzeiger für Beweidung gehen erkennbar zurück (13). (Bei stärkerem Torfwachstum und mehr Proben wären diese Tendenzen wohl deutlicher.)
D: Die Abnahme der Waldbäume ist vom Frühmittelalter bis in die frühe Neuzeit am kräftigsten ausgeprägt (14). Zugleich breitet sich die Buche (15) aus und zieht zuletzt mit der Eiche gleich. Eine Bodenverschlechterung und -versauerung spiegelt sich in den Heidewerten (16). Die Getreidewerte, vor allem des Roggens (17), sind hoch. Sauerampfer (18, gerne in Brachland oder verarmtem Weideland) und Wildgräser (19) erreichen Höchstwerte.
E: Die waldbauliche Moderne bezeugt der Pollen der ortsfremden Fichte (20).
Aufgetrennte, sich überschneidende Bohrkerne aus dem Quellmoor
Oberfläche
Wurzeln
sandiger Untergrund
Dieser in Bernstein eingeschlossene Pollen zeigt eine der häufigen Formen.
Probenahme bei strömendem Regen
Rodungsinsel mit Anbauflächen (Modell) nach Lüning
Waldweide heute auf der schwedischen Insel Öland
Riesewohld, Quellmoor Krummbüth, Bezugssumme Landpflanzen (ohne Erle). Analyse: U. Westermann, Inst. f. Ur- und Frühgeschichte, Universität Kiel 
Tiefe [cm]
Bäume
Sträucher
Zwergsträucher
Gräser
Kräuter
Erle (nicht in der Summe)
Fichte
Kiefer
Birke
Buche
Hainbuche
Eiche
Linde
Ulme
Esche
Ahorn
Weide
Hasel
Faulbaum
Kreuzdorn
Eberesche
Efeu
Schneeball
Holunder
Stechpalme/Hülse
Mistel
Besenheide
Getreide (ohne Roggen)
Roggen
Spitzwegerich
Sauerampfer
Gänsefußgewächse
Beifuß
Wildgräser
Adlerfarn
~ 300/~ 800 n. Chr. 
~ 1500/~ 1800 n. Chr. 
~ 100 v. Chr. 
~ 1200 v. Chr.

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