Dithmarschen auf Touren

KO1 Archäologische Wanderung rund um Albersdorf (Kernweg, 7.4 km) Zurück

Beginn der ersten Halbtour (Nr. 1): Haupteingang des Kurparks (Bahnhofstr., KURPRK)
DOLMEN
:
[2] Großsteingrab im Papenbusch: Kleiner Dolmen im Rest eines Rundhügels, nach Ausgrabung 1946 restauriert. Von den wohl drei Decksteinen von Kammer und Gang ist nur noch ein durch Abspaltung beschädigter Stein übrig und wieder auf die Tragsteine der Kammer gelegt, in die ein Gang aus kleineren Steinen führt. Die Ausgrabung brachte keine bemerkenswerten Befunde, da die Kammer schon früher geplündert worden war. Es fanden sich aber noch einige Beigaben, eine Bernsteinperle und ein Stück eines Flintdolches aus der ausgehenden Bauernsteinzeit und Scherben verzierter Gefäße, die der Zeit der ersten Nutzung der Kammer in der frühen Bauernsteinzeit angehören. Am östlichen Hügelrand liegen zwei Findlinge, wahrscheinlich die fehlenden Decksteine der Kammer. – Dicht am Grab sind ein Steinkreis und zwei Steinpackungen von einem spätbronzezeitlich-früheisenzeitlichen Urnengräberfeld bei Arkebek (heute Standortübungsplatz) wieder errichtet. Ausgehend von zwei großen Grabhügeln der älteren Bronzezeit, die dort noch bestehen, wurde ein Friedhof für Brandbestattungen in der Mitte des 1. Jahrtausends vor Christus angelegt und 1969 ausgegraben. Die Bestattungen erfolgten im allgemeinen in Graburnen innerhalb von sehr kleinen Grabhügeln, die meistens jeweils mit einem Steinkreis eingefasst waren. Wie man an dem wiedererrichteten Steinkreis erkennt, stand die Urne in der Mitte des Kreises, in der erhaltenen Packung aus flachen Steinen. Eine andere Steinsetzung bildet ein Rechteck, das sicher auch Bestattungszwecken diente. Insgesamt wurden seinerzeit etwa 30 solcher ganz oder teilweise erhaltenen Anlagen freigelegt (Funde im Archäologischen Landesmuseum Schleswig magaziniert). Leider sind die Steinsetzungen oft Opfer mutwilliger Zerstörung.
WALRUH
: Einkehrmöglichkeit im Ausflugslokal "Waldesruh"
DREBAR, DREBA1
: [3] Grabhügelgruppe "Drebargen" (=Dreibergen, obwohl mehr an Zahl!). Die vorderen Hügel links des Pfades erscheinen ziemlich ungestört, während die hinteren Hügel in der Schonung durch trichterförmige Angrabung beschädigt sind (nunmehr zum Teil restauriert). – – Auch die ganz kleinen Kuppen zwischen den vorderen Grabhügeln sind Hügelgräber! – Der Form nach handelt es sich um die großen Grabhügel der älteren Bronzezeit. Die angegrabenen Grabhügel zeigen die typischen Schäden, die im allgemeinen vor gut einem Jahrhundert entstanden, als gebildetere Leute es als eine Art Sport ansahen, die Hügel auf Antiquitäten untersuchen zu lassen, wobei aber nur recht selten halbwegs brauchbare Dokumentationen und Berichte zu Stande kamen. So kann es sein, dass das Schleswiger Museum Fundstücke aus diesen Hügeln besitzt, die es aus ehemals privaten Sammlungen übernommen hat, diese Fundstücke aber nicht mehr bestimmten Grabanlagen zuzuordnen sind. 1947 und 1950 wurde je ein kleinerer, randlich in der Gruppe gelegener Grabhügel ausgegraben (nun verschwunden). Der erste Hügel war 1,20 m hoch und hatte einen Durchmesser von 14 m, der zweite war etwas kleiner. Im ersten Hügel fand sich ein Kranz von gut 7 m Durchmesser aus rundlichen Steinen und die Stützsteine eines vergangenen Baumsarges. Der zweite Hügel enthielt einen ovalen Steinkreis und eine darin liegende Steinpackung eines Grabes. Beide Gräber waren beigabenlos, das erste muss noch der älteren Bronzezeit angehören, weil Baumsärge später nicht mehr üblich waren, das zweite dürfte wahrscheinlich etwas später angelegt worden sein.
OCHSWG
: [4] ein Zweig des Heerweges oder Ochsenweges von Wedel bei Hamburg zur Eidermündung. Er ist einer der alten Landwege und war der Hauptweg nach Dithmarschen. Er kommt aus Richtung Grünental entweder direkt von Schenefeld oder von der Hanerauer Zollstelle, überquert bei der Fallohfurt (siehe FAFURT) die Gieselau und teilt sich in Dithmarschen in mehrere Zweige auf. Häufig ist es, dass die Dörfer, wie Albersdorf und Bunsoh, etwas abseits dieser alten Wege liegen. Bis zum Beginn der Jetztzeit führten die Landwege auf der Geest vor allem durch Heideland, das nun völlig verschwunden ist. Der Name Ochsenweg kommt von einem wichtigen Wirtschaftszweig des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit: Jütländische Magerochsen wurden unter anderem in Dithmarschen durch Weide (z. B. Waldweide mit Eicheln) gemästet und weiter nach Süden getrieben zur Frischfleischversorgung der großen Städte wie Hamburg oder die der Niederlande. – Die steilen Knickwälle längs des Weges entstanden, wie überall im Lande, erst vor höchstens 200 Jahren im Zuge einer ersten Flurbereinigung, der sog. Verkoppelung.
HUEGL1
: [7] In der Senke vor dem Bahndamm liegt rechts am Ende eines Wäldchens 15 Schritte vom Weg ein kleiner, unbeschädigter Grabhügel, der seiner geringen Größe wegen entweder der steinzeitlichen Einzelgrabkultur oder der spätesten Bronzezeit zuzurechnen ist. – Der Ochsenweg überquert die Eisenbahn Neumünster-Heide (BAHN).
Wir bewegen uns bergab entlang des sich einschneidenden Ochsenweges in Richtung des Gieselautals (HOLWEG). Der Weg wird zu einem Hohlweg und ist schon ziemlich verwachsen.
FAFURT
: [10] Fallohfurt. Die Furt des Ochsenweges durch die Gieselau ist hier zwar stark durch Erlengebüsch zugewachsen, aber unverändert und von großem landschaftlichen Reiz. Man kann oft nicht zum Bach gelangen, da die Wegpartie sehr sumpfig und löcherig ist. Genannt ist die Furt nach der nahegelegenen Flur Falloh (= Fall-Lohe, Lohe ist ein lichter Eichenwald). Dies ist die Stelle, wo der alte Landweg ohne Brücke die Gieselau querte und am jenseitigem Ufer bald holsteinisches Gebiet erreichte. – Bei einer gewaltigen Buche mit einem Findling und einer Bank (BANK) geht der Pfad halbrechts steil hinauf, so dass wir links das Gieselautal mit ehemaligen, renaturierten Fischteichen von einem bemerkenswerten Steilhang aus überblicken (STHANG). Hier oben ist es durch viele alte Bauernsandkuhle sehr uneben. Die erste Tour endet nach einiger Zeit bei einer Erläuterungstafel (TAFEL) über bodenkundliche und landschaftsgeschichtliche Untersuchungen in unmittelbarer Nähe. Diese und andere Erläuterungen machen uns deutlich, dass wir uns am Südrand des Archäologisch-Ökologischen Zentrums Albersdorf (AÖZA) befinden.

Hier ist die zweite Halbtour (Nr. 2) auf dem GPS aufzurufen. Sie führt zunächst zu den Riesenbetten im Bredenhoop (LANGB1, LANGB2) [11]. Hier finden wir interessante Reste steinzeitlicher Grabanlagen. Die Großsteingräber sind ja als Kammern in Grabhügeln vorzustellen, wobei die Hügel rund sein können, häufig aber auch langgestreckt rechteckig sind wie bei den beiden hier erkennbaren "Langbetten", wie die Riesenbetten in der Forschung genannt werden. Beide Langbetten enthielten je eine Steinkammer. Das vordere Langbett ist 1955 restauriert, indem die weitgehend umgestürzten Einfassungssteine wieder in die noch erkennbaren Standspuren gesetzt wurden. Nur zwei Steine wurden damals ergänzt. Bei den Arbeiten fand man in der Erde des Langbettes eine wohlerhaltene Sichel der ausgehenden Steinzeit oder der Bronzezeit aus Feuerstein, sicher keine Grabbeigabe, sondern eher als Opfer am Grabplatz zu verstehen. Von der Kammer sind noch vier aufrechte Wandsteine übrig. Beim zweiten Langbett sind nur noch einige verlagerte Einfassungssteine zu sehen. Weiter hinten im Wald finden sich die zerstörten Reste eines vielleicht in den Boden eingetieften Großsteingrabes (STEINE).
DOLMN1
: Kleine Steinkammer (Dolmen) der frühen Bauernsteinzeit, aus Frestedt hierher versetzt; Deckstein und Hügelschüttung ergänzt (AÖZA-Gelände)
LANGB3
: Erdreste eines völlig zerstörten Langbettes
Hinter einem vierten Langbett (LANGB4) [11] mit einigen erhaltenen Einfassungssteinen, dessen Kammer ebenfalls verschwunden ist, liegt ein kraterförmiger Rundhügel (KRATER), der ehemals auch ein Großsteingrab enthielt. – Wieso fehlen hier überall die Steine? Nicht nur im Mittelalter, sondern vor allem im 19. Jahrhundert waren die Steingräber willkommene "Steinbrüche". Falls nicht Steine für Denkmäler gebraucht wurden, dienten sie profaneren Zwecken: sie wurden zerspalten zu Heckeinfahrtssteinen, Treppenstufen und Eingangsschwellen, Grundmauersteinen oder einfach zu Pflastersteinen. Diese Gräber sollen erst beim Bau der Chaussee Albersdorf-Hademarschen 1860 zerstört worden sein, überwiegend haben die Steine angeblich zum Bau der nahegelegenen Gieselau-Brücke herhalten müssen. Beim Bau dieser Landstraße fanden sich auch zwischen Albersdorf und Grünental die berühmten jüngerbronzezeitlichen Goldgefäße (nun im Landesmuseum Schleswig). Bei den Reststeinen der beiden zuletzt genannten Langbetten sind die Spuren der Werkzeuge, mit denen man die Steine zerspaltete, besonders gut zu sehen. Es sind vor allem längliche Schlitze (für geschmiedete Stahlkeile) oder deren Reste, falls der Spaltversuch an sich glückte, aber ein Spaltrest als ungeeignet liegenblieb. Wenn wir in der Umgebung der Löcher, die nun an Stelle der ehemaligen Kammern stehen, uns das Erdreich genau ansehen, kann man hier und dort ein Stück weißgeglühten Feuerstein finden, mit zahlreichen kleinen Rissen durchzogen wie manche Keramik. Im allgemeinen hatten die Steinkammern einen Bodenbelag aus solchem geglühten Feuerstein. Ansammlungen davon, wie auch die charakteristischen flachen Steine des Trockenmauerwerks in den Steinlücken, lassen die Stellen solcher Gräber oft auch dort erkennen, wo sich sonst keinerlei Spur mehr erhalten hat.
HUEGL2
: Flacher unbeschädigter Grabhügel unbestimmter Zeit (siehe HUEGL1).
AOEZA
: Archäologisch-Ökologisches Zentrum im Aufbau, mit Gebäudenachbauten nach bauernsteinzeitlichen Vorbildern, Demonstrationspflanzungen und vielfältigen Aktivitätszonen (Eintrittsentgelt geplant). Geprägt wird das Gelände von einen großen, baumbestandenen Grabhügel, dessen Eingrabungen vor Jahren wieder aufgefüllt wurden. Von seiner "Untersuchung" von 1876 gibt es wenigstens einen Bericht mit phantasievollen Beschreibungen, aus denen hervorgeht, dass im Hügel bronzezeitliche Baumsarggräber mit Beigaben, darunter eine Lanzenspitze, ein Bronzedolch mit teilweise erhaltener Scheide und ein Flintdolch, angetroffen wurden.
AUTURM
: [14] Der Aussichtsturm steht auf einem gewaltigen, im übrigen unbeschädigten älterbronzezeitlichen Grabhügel, dem "Kaiserberg". Schwindelfreien sei ein Rundblick empfohlen.
BRUTKP
: [1] Das Großsteingrab Brutkamp ist sicher dem Höhepunkt der Wanderung (ausführliche Erläuterungstafel, Datierung zu korrigieren auf 3200 v. Chr.!). Es besitzt den größten Deckstein Schleswig-Holsteins, der ca. 23 Tonnen wiegt. Man erkennt noch den Rest eines Rundhügels, aus dem einige größere Steine herausragen, die wohl die Steineinfassung des Hügels gebildet haben. Die Kammer ist weitgehend verfüllt; man muss sie sich ursprünglich so geräumig vorstellen, dass man gebückt darin stehen konnte. Durch Ausgrabung erforscht ist das Grab übrigens nicht. Die vielen Rollsteine in der Erde ringsum könnten darauf hindeuten, dass der zur Kammer gehörige Grabhügel ursprünglich mit einer Schicht von rundlichen Steinen abgedeckt war, wie es anderenorts gelegentlich nachweisbar ist. – Vom Typ her ist die Kammer ein Vieleckdolmen. An der dem Aussichtsturm zugewandten Südwestseite kann man die Spitzen der Tragsteine des zugehörigen Gangs erkennen. Die Größe des Decksteines wirft die Frage auf, wie man damals solche Steine bewegt hat. Beim Bau dieser Gräber griff man auf die Findlinge zurück, die damals ungleich häufiger in der Landschaft umherlagen als heute. Der Transport solcher Riesensteine erfolgt am günstigsten auf ständig nachzulegenden rollenden Stämmen unter Ausnutzung der Hebelwirkung längerer Stämme oder Äste. Günstig dazu ist hartgefrorener Boden. Da gedrehte Schnur bekannt war, ist es möglich, dass auch Seile zu Hilfe genommen wurden. Auf jeden Fall ist der Transport des schweren Decksteins eine Gemeinschaftsleistung gewesen, die ein bis zwei Dutzend Beteiligte erforderte. Um den Deckstein auf die Tragsteine zu bekommen, wird man nach Aufstellung der Tragsteine den Grabhügel auf etwas mehr als die heutige erhaltene Höhe aufgeschüttet haben, wobei die Kammer verfüllt gewesen sein wird. Nun konnte der Deckstein auf den Hügel transportiert werden und dort genau richtig gelegt werden. Abschließend war das Leerräumen der Kammer und die Schließung der Steinlücken durch Trockenmauerwerk erforderlich.
ISEBRD
: Die Ziegelfigur an der Schule soll übrigens Wulf Isebrand, den Helden der für die Dithmarscher siegreichen Schlacht bei Hemmingstedt (1500), symbolisieren – ein Werk von Hans Gross im Schnittpunkt von Expressionismus und völkischer NS-Kunst. – Die Straße endet an einer Querstraße, wo wir links schräg gegenüber das große Holztor des Kurparks, Ausgang und Ziel unserer Rundwanderung, erreichen (KURPRK). In der Nähe öffentliche Toilette (KURKLO) und Touristinfo in der Amtsverwaltung (TOUR-I), weiter bergab Eiscafé (EISCAF) und Schnellimbiss.
Die [Nummern] in eckigen Klammern entsprechenen denen im gedruckten "Wanderweg"!     Zurück

Zeittabelle:
Altsteinzeit
(eiszeitliche Jägersteinzeit) bis 8000 v. Chr.
Mittelsteinzeit (nacheiszeitliche Jägersteinzeit) 8000-3500 v. Chr.
Jungsteinzeit
(Bauernsteinzeit, Neolithikum) 3500-1800 v. Chr. 
Großsteingrabkultur bis 2500 v. Chr.,
Großsteingräber
Einzelgrabkultur 2800-2300 v. Chr., Grabhügel
Spätneolithikum 2300-1800 v. Chr., Grabhügel u.a.
Bronzezeit
1800-500 v. Chr.
Ältere B. (Periode 1-3) 1800-1000 v. Chr., Große Grabhügel

Jüngere B. (Periode 4-6) 1000-500 v. Chr., Urnengräber
Eisenzeit 500 v. Chr. - 700 n. Chr., Urnengräber u.a.

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