Dithmarschen auf Touren

GH1 Landschaft und Spuren der Dithmarscher Geschichte um die obere Broklandsau (3 Teilrouten, 41 km) KarteZurück

Teilroute 8 HMARKT-VORWES: HMARKTDer Marktplatz in Heide, der größte mittelalterliche Marktplatz Deutschlands, ist die Keimzelle des einstigen Bauernfreistaates Dithmarschen (1434 - 1559). Außer großen Teilen der Kirchenmauern sind keine sichtbaren Zeugnisse der damaligen Zeit geblieben; neuere Straßendurchbrüche haben die Geschlossenheit des Platzes beeinträchtigt. Die Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Kirche brannte 1559, wie der größte Teil des Ortes, bei den Eroberungskämpfen 1559 ab, wurde aber schnell wiederaufgebaut und später im Westen (Turm) und Süden erweitert. Unter den bei der Kirche aufgestellten Sandsteinplatten fällt der Patrekieff-Grabstein mit russisch-orthodoxem Kreuz auf (1713), ein Relikt damaliger Truppendurchzüge, sowie ein Sühnestein mit einer Morddarstellung von 1567. Bemerkenswerte ältere Gebäude nahe der Kirche: Pastorat (Markt 27/28, 1739) und Süderstraße 2 (1733, Untergeschoss verändert).
SCHANZ: Durch moorige Niederungen im Norden und Süden wurde und wird hier die Durchquerung eingeengt und wurde in Mittelalter und früher Neuzeit durch Landwehren (Systeme von Wällen und Gräben) kontrolliert. Davon sind noch wenige Wallreste und Erdbastionen für Geschütze unmittelbar südlich der Straße übrig (17. Jahrh.). Die Befestigungen aus der Zeit des Bauernfreistaates sind ebenso wie das eine Umgehung verhindernde "Hammholz", ein dichter Wal d, längst verschwunden.
691HL: Wir haben kurz hinter der Schanze den früher bedeutenderen Hauptweg nach Südosten (Albersdorf - Hademarschen) verlassen und durchqueren nun auf der ursprünglichen Straße nach Tellingstedt das Dorf Süderholm. Vor 692 sollten wir links in der Amtmann-Rohde-Straße darauf achten, ob das Storchennest (STORC1) besetzt ist.
Autofahrer: von 693HR direkt zu 697R und von dort ggf. zu Fuß einen Abstecher zu SUGRAB.
SUGRAB: Reste alter Wälder bedecken die quellenreichen Geestabhänge zur Broklandsau-Niederung. Die Reste einer bauernsteinzeitlichen Grabkammer, ehemals in einem noch erkennbaren Rundhügel gelegen, zeigen, dass hier nicht immer Wald war. Die ehemalige Kammer ist weitgehend ihrer Steine beraubt worden.
BENWOL: Bennewohld, ein heute wie Süderholm zu Heide eingemeindetes Dorf spätmittelalterlichen Ursprungs, verdankt seinen Namen dem einst umgebenden Wald, von dem noch beachtliche Reste zeugen.
702R: Hier kann man eine interessante Fuß- oder Fahrrad-Rundtour (KH7) durch das ehemalige Gaushorner Moorgebiet starten (sinnvoll nur bei Ruhe auf der nahen Standort-Schießanlage).
GAUS-L: Kurz vor dem Ortskern von Gaushorn erreichen wir die Trasse der ehemaligen Kleinbahn-Ringstrecke Norderdithmarschen, die wir durch den Welmbütteler Norderwohld (NORWLD) verfolgen. Der Norderwohld ist vor allem in seinem tiefer gelegenen, unwegsamen Nordteil sumpfiger, kaum genutzter Laubwald mit interessanter Bodenvegetation. Autofahrer: Bei GAUS-L nicht links, sondern geradeaus weiter zur Hauptstraße und links bis WALDRU!
WALDRU: Einkehrmöglichkeit in der "Waldesruh", dem ehemaligen Welmbütteler Kleinbahnhof.
VORWES: Ende der ersten Teilroute, Start der folgenden (9: WESBOR-BRKHLM)
WESBOR: Westerborstel, westlich an das Kirchdorf Tellingstedt anschließend, hat sein Gegenstück im heute zu Tellingstedt eingemeindeten Österborstel östlich des Kirchdorfes.
TOEPFR: Gebäude der letzten historischen Tellingstedter Töpferei, die 2000 endgültig schloss.
TLKIR1-2: Die Kirche von Tellingstedt mit dem auffallend schiefen Dachreiter lässt den Ursprungsbau des 12. Jahrhunderts, der später nach Westen und Süden erweitert wurde, noch recht gut erkennen. Der hölzerne Glockenturm dürfte dem ursprünglichen geglichen haben. Aus der Erbauungszeit stammt auch das schlichte bronzene Taufbecken. Die übrige Ausstattung der Kirche ist bedeutend, vor allem die Orgel, im Kern von 1642, und der Altar aus der Tönninger Schlosskirche. Um die Kirche einige wenig veränderte ältere Gebäude und am Kindergarten eine bemerkenswerte Platane.
ALINDE: Im Wall rechts des Weges eine bemerkenswerte, vielfach beschnittene alte Winterlinde. In den Wiesen dahinter, noch vor dem Bach Tielenau, kann man einen zweiteiligen, stark verschliffenen Damm erkennen: Überrest zweier bauernsteinzeitlicher "Langbetten", deren Kammern schon vor Generationen dem Steinbedarf zum Opfer fielen.
715R: Wir durchqueren eine moorige Niederung, die in der Dithmarscher Geschichte eine große Rolle als Wegsperre spielte. Diese Niederung trennt die Dithmarscher Haupt-Geest von der "Norderhamme", den Geestgebieten mit Pahlen, Delve, Linden und Hennstedt. Durch Ausnutzung der Tielenau-Niederung und Verbindung zu den Broklandsau-Moorgebieten im Westen durch den "Landgraben" sowie Befestigungsanlagen um die etwas östlich gelegene Tielenbrücke konnten Feinde am Durchzug nach Norden gehindert werden. – Bank.
KLASST: Eine der vier in Dithmarschen erhaltenen Sühnesteine steht an dem Ort, wo 1580 ein Carsten Groth erschossen wurde. Die Sage hat aus dem Opfer einen Klaas Groth gemacht, der hier wegen einer Liebesgeschichte von seinen Bruder umgebracht wurde.
720: Wir sind auf den südlichen Randhöhen des Schalkholzer Eiszungenbeckens, das durch einen vorübergehenden Eisvorstoß des (östlich gelegenen) Inlandeises während der vorletzten Vereisung vor vielleicht 150 000 Jahren entstand. Das abtauenende Eis hinterließ in der Mitte einen längst verschwundenen See. Ein Gutteil der Moränenhöhen, die hufeisenförmig die ehemalige Eiszunge umgibt, ist inzwischen dem Kiesabbau zum Opfer gefallen.
SHALKH: Das Dorf Schalkholz (Holz, Wald der "Schalken", also der Geisterwesen) liegt längs des westlichen Abschlusses des Eiszungenbeckens. Hier eine "Friedenseiche" von 1871.
SVIERT: Der Schalkholzer Vierth liegt am westlichen Rand des Moränenkranzes um das Schalkholzer Eiszungenbecken. Hier gibt es viele Langbetten und Grabhügel aus Bauernsteinzeit und Bronzezeit; alle Steinkammern sind dem Steinraub zum Opfer gefallen. Die letzte Steinkammer wurde 1972 ausgegraben und in der Nähe des Heider Wasserturms wieder errichtet (SVIRTK).
723L: Geradeaus sehen wir ein kleines Waldstückchen mit bizarr gewachsenen Eichen und am Rand einen bronzezeitlichen Grabhügel, der im Sommer von der Vegetation verdeckt ist.
LINMOR: Wir sind nun in der großen Niederung, in der sich zahlreiche Zuflüsse zur Broklandsau, einem Nebenflüsschen der Eider, vereinigen. Hier gab es viele große Moore, von denen sich abgetorfte Reste erhalten haben, so auch das westlich hier anschließende Lindener Moor.
PALKRG: Ausbausiedlung, zu Linden gehörig. Bei STORCH auf ggf. besetztes Nest achten! Hier querte einst der verschwundene "Grafenwall" die schmale Geestzunge, eine Landwehr zur Sperrung des wichtigen Landweges nach Heide.
LINPAL: Teilweise restauriertes Ganggrab der Bauernsteinzeit, das in einem rekonstruierten Rundhügel liegt. Eine Taschenlampe kann von Nutzen sein! Besterhaltenes Steingrab Dithmarschens.
BRKHLM: Ende der zweiten Teilroute und Beginn der dritten (10: ZUBARK-HMARKT)
ZUBARK: Abgrabungen und eine Wasserfläche zeugen von Ziegeleien des 19. Jahrhunderts.
742: Wir umrunden das Süderheistedter Gehölz, einen Bauernwald mit hohem Laubwaldanteil und botanisch interessanten feuchten Stellen. Hier am Südrand des Waldes einige ungewöhnlich alte Hainbuchen.
WUBAUM: 2000 gepflanzte Linde (2003 umgeweht), die an den Wunderbaum erinnert, der bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts nahe der Süderheistedter Aubrücke gestanden haben soll und auf Dithmarschens ältester Karte von 1559 verewigt ist. Der Sage nach sollte die Freiheit Dithmarschens an das Grünen des Baumes geknüpft sein. Der Baum, dessen Art nicht genannt wurde, soll in einer Einfriedigung gestanden haben und auffällig kreuzweise gewachsene Äste besessen haben. Wenn einst eine Elster im Baum brüte und weiße Junge heranzöge, sollte Dithmarschen wieder frei werden.
AUKRUG: Früher wichtige Erdbefestigung, die ähnlich wie die genannte Tielenbrücke den Zugang zur "Norderhamme" erschwerte. Mit dem Übergang der Invasionstruppen über die Aubrücke zeichnete sich 1559 die Niederlage der Dithmarscher in der "Letzten Fehde" ab.
OSTR-R: Hier die "Friedenseiche" von 1872. Beachtenswert ein Stück weiter die ältere und bizarrere Ostroher "Dorfeiche" mit umgebender Sitzbank rechts am Weg.
GALGBG: Gruppe von noch drei (ehemals mehrerer) bronzezeitlicher Grabhügel, von denen einer im Mittelalter und in früher Neuzeit den Galgen getragen haben soll. Nach einer Überlieferungsversion soll hier der Reformator Heinrich von Zütphen 1524 verbrannt worden sein. Gegenüber die Rennbahn, kurz vor 1912 als Traberbahn gebaut und 1925 zum "Autodrom" umgestaltet. Sie diente im zweiten Weltkrieg als Lager für gefangene russische Zwangsarbeiter, hier gab es viele Tote.
LEZFED: Gedenkstein für die "Letzte Fehde", die königlich-fürstliche Eroberung Dithmarschens 1559, deren Schlussgefechte von der Aubrücke bis nach Heide hinein stattfanden.
NOFRID: Zütphenfriedhof von 1825 mit Denkmal für den Reformator Heinrich von Zütphen und einer rohen Granitstele an der Stelle, an der er nach einer Überlieferungsversion verbrannt worden sein soll. – Ende der Tour auf dem Heider Marktplatz (HMARKT). Zurück

Kartengrundlage: © Städte-Verlag, E. v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH, 70736 Fellbach www.staedteverlag.de

Zurück © Volker Arnold, zuletzt geändert am: