Dithmarschen auf Touren

GM3 Geest, Moor und Archäologie rund um den einstigen Fuhlensee (1 Route 85 – SARZ-R) Karte  Zurück

85: Start der Route (17 km) südlich des Ortsausgangs Sarzbüttel
SHANZ1:
Sarzbütteler Schanzen
, eigentlich eine Landwehr, die möglicherweise gleichzeitig mit der nahen Marienburg entstanden ist, sicher aber mittelalterlichen Typs ist. Der vierfache Wall bildete eine relativ kurze, nach Westen etwas ausgebogene Verteidigungslinie. Er dürfte dazu gedient haben, Feinde von Westen daran zu hindern, hier am Engpass der Meldorf-Bargenstedter Geest, wo der Weg auf einem alten Wassermühlendamm die Niederung quert, weiter nach Nordosten oder Osten Richtung Albersdorf vorzudringen. Der Ostteil der Landwehr ist längst planiert. – Hinter der Schanze verläuft unser Weg auf dem einstigen Mühlendamm (MULDAM) und quert die Dellbrückau.
86R
: Hier bietet sich die Möglichkeit eines Abstechers zum dicht gegenüber liegenden wohlerhaltenen Großsteingrab Dellbrück (DKAMER) sowie zu den etwas weiter liegenden Erdwällen der mittelalterlichen Marienburg (MARIBG, siehe Touren "Wanderweg, Umgebungstour Süd" und "Rund um die Mieleniederung").
88R
: Irgendwo zwischen hier und unserem nächsten Wegpunkt soll der Ort Henscherade gelegen haben, der 1447 bezeugt, aber ein Jahrhundert später verschwunden ist.
BEIACK
: Ein unscheinbarer Fußpfad führt in ein Wäldchen. Nördlich der Fichtenpflanzung quert er ein System von schmalen Wällen schräg zum Weg, aber nur rechts davon. Links wird bei der neuzeitlichen Kultivierung alles planiert worden sein. Es handelt sich um Ackerfelder mittelalterlichen Typs, sog. Hochäcker, wie sie bis zu den ersten Flurbereinigungen, der "Verkoppelung" Ende des 18. Jahrhunderts noch überall in Gebrauch waren. Ein Teil der hier erhaltenen Ackerfelder sind außergewöhnlich stark überhöht, eine Folge des jahrhundertelangen systematischen Pflügens zur Mitte hin. Erst mit der Verkoppelung wurden die unwirtschaftlichen Streifenäckerchen ersetzt durch größere rechteckige Koppeln, die mit Wällen eingefasst waren – das Geburtsdatum der Knicklandschaft. Da aber bei der Verkoppelung aus Äckern wieder Äcker wurden, ist aufgelassenes Ackerland, wie dieses, meist viel älter. Konjunktureinbrüche und Pestzeiten im späten Mittelalter führten zur Aufgabe zuvor kultivierter Ländereien, ja ganzer Dörfer, die wieder zu Heide wurden. Die hier sichtbaren Äcker könnten Teil der Feldmark des ehemaligen Henscherade gewesen sein. – Ein kleinerer Grabhügel rechts am gegenüberliegenden Waldrand zur Kiesgrube hin ist von den Wällen deutlich ausgespart (HUEGL7, kein Pfad!). (Nach der Querung der Ackerfelder führt der Pfad in die Nähe eines größeren, angegrabenen Grabhügels bronzezeitlichen Typs: HUEGL6.) Die letzten paar Meter des Pfades längs eines Zaunes sind schmal und ggf. zugewachsen.
612R
: Auch nördlich der Bundesstraße, vom Deponiegelände ausgespart, ein großer baumbestandener Grabhügel bronzezeitlichen Typs.
851R
: Wir haben die Geest verlassen und befinden uns in der tief liegenden Mieleniederung, wo wir bei BRUCKE die zur Südermiele angewachsene Dellbrückau queren.
904L
: Ein Stichweg führt nach rechts in eine eintönige Schilfwildnis, den Rest des verlandeten ehemaligen Fuhlensees ("Fauler See"). Hier liegt das Land nur unwesentlich über dem Meeresspiegel. Vor der Kultivierung im 19. Jahrhundert gab es in der Mieleniederung noch mehrere flache, nährstoffreiche Seen nach Art des noch bestehenden Kudensees im Süden Dithmarschens.
981R
: Wir sind dicht an einer verschwundenen Landstelle vorbeigekommen, wo sich der Arabienreisende und spätere Meldorfer Landschreiber Carsten Niebuhr Ende des 18. Jahrhunderts einen bescheidenen Landsitz "Niebuhrslust" gebaut hat, damals am äußersten Rand kultivierten Wiesenlands nördlich des noch existierenden Fuhlensees gelegen. – Längs des Weges eine markante Erlenreihe.
985R
: Wir durchqueren ein umfangreiches Moorgebiet, das Sarzbütteler Moor. Es wurde vor allem nach dem letzten Weltkrieg für den Brennstoffbedarf von Meldorf abgebaut. Da hier ein Stechtorfabbau kaum in Frage kam, gewann man den Torf unter dem Grundwasser und verarbeitete ihn zu Backtorf, d. h. man rührte ihn zu Torfschlamm, strich ihn in Formen und trocknete ihn zu einer Art Torfbriketts. So entstanden die großen und tiefgründigen Torfkuhlen, die nun als Angelteiche genutzt werden. Viele der zwischen den Kuhlen liegenden Restmoorflächen sind inzwischen mit Buschwerk und Bäumen bestanden bzw. werden längs der Ufer gelegentlich zur Offenhaltung gerodet.
987L
: Der leichte Anstieg des Geländes weist darauf hin, dass wir wieder auf die Geest gelangen.
Ende der Tour bei SARZ-R, wo wir rechts nach Süden in einen Betonspurweg abbiegen und nach 1.3 km unseren Ausgangspunkt 85 erreichen.   Zurück



Kartengrundlage: © Städte-Verlag, E. v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH, 70736 Fellbach www.staedteverlag.de

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