Dithmarschen auf Touren

GM1 Spuren der Dithmarscher Geschichte um die Mieleniederung (4 Teilrouten, 52 km) Karte Zurück

Teilroute MBANHF-MEGRAB: Nahe dem Startpunkt stehen wir etwa über dem verschütteten Stadtgraben (STADGR) aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, und hier hat Meldorf auch sein einziges ehemaliges Stadttor gehabt. Der mit einer Holzpalisade versehene Stadtgraben kreuzte die nach Meldorf hineinführende Straße quer. Von hier aus wurde Meldorf sowohl 1500 wie auch 1559 erobert.
LMSEUM
: Das Dithmarscher Landesmuseum ist das bedeutenste kulturgeschichtliche Museum Dithmarschens. Unter vielem anderen kann man sich zur Geschichte des Bauernfreistaates und der für die Dithmarscher siegreichen Schlacht bei Hemmingstedt (1500) informieren.
NMARKT
: Der Meldorfer "Dom" ist keine Bischofskirche, sondern die alte Hauptkirche Dithmarschens, die in das 9. Jahrhundert zurückgeht. Die Gewölbebasilika, im Kern aus der Mitte und zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ist trotz des erneuerten Außenbaus die bedeutendste mittelalterliche Kirche der Schleswig-Holsteinischen Westküste. Im Innenraum hat sich neben mittelalterlichen Gewölbemalereien eine prächtige Ausstattung verschiedener Jahrhunderte erhalten.
NMUELE
:In der Verlängerung der Norderstraße können wir die Nordermühle erkennen, eine gut erhaltene Holländermühle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
MILBRU
: Am Ortsausgang von Meldorf quert die Bundesstraße das Flüsschen Miele auf einer modernen Straßenbrücke. Mindestens seit dem Spätmittelalter gab es hier eine Brücke, an der sich die letzten Rückzugsgefechte der flüchtenden Invasionsstreitmacht mit den siegreichen Dithmarschern am Tag der Schlacht bei Hemmingstedt abspielte (17. Februar 1500).
ALANDW
: Wir sind von der Bundesstraße abgebogen und benutzen den alten Landweg von Meldorf nach Hemmingstedt, der bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der Hauptverkehrsweg war.
EPWRDN
: Die Ortschaft Epenwöhrden, im Kern eine frühmittelalterliche Dorfwurt, grenzt an den alten Landweg. Links können wir an einigen Stellen gut das erhöhte Gelände der eigentlichen Wurt erkennen. Möglich ist, dass die Wurt schon in ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt entstand.
MSGRAB
: Hier wurde 1944 ein Massengrab entdeckt und zum kleinen Teil gleich, zum größten Teil erst 1998 untersucht. Ein Pferd und zahlreiche verstümmelte Leichen, Opfer der Schlacht bei Hemmingstedt, waren hier dicht neben dem damaligen Straßengraben vergraben worden.
EWURT1
: Westlich des Landweges liegt eine heute unbewohnte Wurt, die durch landwirtschaftliche Bearbeitung sehr verschliffen ist und sich nur wenig über die gewachsene Marschoberfläche erhebt. Ausgepflügte Funde stammen aus dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt. Etwas nördlich (EWURT2) eine zweite Wurt mit Funden der gleichen Zeit.
DUSDUW
: Auf einem künstlichen Hügel erhebt sich das pompöse Denkmal von 1900 für die Schlacht bei Hemmingstedt (17.2.1500). Eine Infotafel auf dem Denkmal erzählt von der Geschichte seiner Errichtung. Der entscheidende Teil der Schlacht fand aber wohl nicht hier statt.
PAVILN
: Der Informationspavillon entstand zum 500-jährigen Jahrestag der Schlacht im Jahre 2000. Ein acht Meter langes Modell der Schlacht mit ihren entscheidenden Szenen und Zusatzinformationen sind hinter einem Schaufenster zu sehen, außerdem sind per PC Daten abrufbar.
SHLACH
: Wir haben den Landweg auf den Spuren der Großen (oder "Schwarzen") Garde von 1500 weiter nach Norden verfolgt und sind auf eine schwache Anhöhe gelangt, eine ehemaligen Sandanschwemmung der steinzeitlichen Geestküste Dithmarschens. In diesem Umkreis vermuten die meisten Forscher den Ort, wo die Dithmarscher den Landweg durch einen nächtlich ausgehobenen Graben gesperrt hatten und das übermächtige feindliche Invasionsheer nach verlustreichen Attacken letztlich in die Flucht schlagen konnten. – An vielen Stellen seitlich des Landweges können wir im Grünland noch die alten Beetstrukturen erkennen, die auf die erste Marschkolonisation des Mittelalters zurückgehen. Die beetartigen Erhöhungen zwischen parallelen Gräben (Grüppen, heute Drainagen) haben im allgemeinen eine Breite von ungefähr 15 Metern und sind teils durch das ständige Freihalten der Gräben, teils durch Hochpflügen von den Seiten zur Mitte hin entstanden.
HSTROM
: Hier am Nordende der Anhöhe verlief bis zu seiner Umlegung im 19. Jahrhundert ein großer Entwässerungsgraben, der Hemmingstedter Strom, und wurde vom Landweg mittels einer Brücke gequert. Rechts, östlich des Weges, zeigt eine Geländerinne den Verlauf des einstigen "Stromes". Diese Stelle könnte bei der Schlacht bei Hemmingstedt von Bedeutung gewesen sein.
ALKATE
: Eine unscheinbare und im Äußeren veränderte Kate existierte möglicherweise schon in der Zeit der Schlacht bei Hemmingstedt. Das Eichengerüst mit den charakteristischen mittelalterlichen Anblattungen, im Inneren trotz einer späteren Erweiterung gut erhalten, ist an einigen Stellen auch von außen zu sehen. Ursprünglich war sie wohl eine Wagenschauer, also eine Art Garage.
HKIRCH
: Die Kirche in Hemmingstedt geht in ihren Mauern in das 13. Jahrhundert zurück und ist, vor allem im Westgiebel, vielfach umgebaut. Sie enthält eine bedeutende Innenausstattung; an einigen Stellen finden sich geschnitzte Wappen Dithmarscher Bauerngeschlechter. Südlich der Kirche ist ein unweit der Kirche gefundener urgeschichtlicher Schalenstein unter Büschen aufgerichtet. Er wird früher mit den Schalen nach oben auf oder im Boden gelegen haben. Die Schalen sind zugleich Sinnbild wie auch Spuren der Entnahme des als heilkräftig angesehen Gesteinspulvers. Solche Schalensteine sind, soweit datierbar, überwiegend aus der Bronzezeit bekannt.
MEGRAB
: Bei einer Erweiterung der nahen Raffinerie wurde ein halb zerstörtes, ca. 5000jähriges Steingrab ausgegraben und hierher versetzt. Die kleineren Steine der Kammer, die schon ihrer Decksteine beraubt war, sind freie Ergänzung - auch hier standen ursprünglich wohl gleichhohe Steine wie an der gegenüberliegenden Kammerseite. Bei der Ausgrabung fanden sich zahlreiche Beigabenreste verschiedener Epochen der Bauernsteinzeit. Start Route HFRIDH-NBAHN1!

VOLKWT: Volkerswurth liegt nicht auf einer aufgeschütteten Wurt wie in der Marsch, sondern auf einer natürlichen sandigen Geestkuppe, die aus dem tiefliegenden Grünland (Meeres- und Moorablagerungen) herausragt. Den kleinen Ort gab es schon im Hochmittelalter.
NORDWT
: Norderwurth hieß früher Braakenwurth (nach dem westlich gelegenen Dorf Braaken, heute ein Ortsteil von Hemmingstedt) und liegt wie Volkerswurth auf einer sandigen Geestkuppe.
TRINNE:
Hier durchziehen tiefe Rinnen ehemaliger Wasserläufe das Moor vor und hinter der Autobahnbrücke, so dass die Fahrbahnen dort immer wieder absacken. Dadurch kann es zu zeitweisen Überschwemmungen kommen. Ist hier keine Querungsmöglichkeit, muss man notfalls durch Heide ausweichen. Hochwasser-Warnschilder entsprechen aber nicht immer der Lage! Ggf. Umfahrung mit Sonderroute 177R - 853L, die die tiefsten Stellen vermeidet, dann bisherige Route erneut aktivieren!
RUESMR
: Hier durchqueren wir randlich ein Torfstichgebiet; das Moor gehörte früher in seinem Ostteil zu Süderholm, in seinem Westteil zur Heider Österegge, die es mit Rüsdorf teilen musste (Süderholm und Rüsdorf sind heute Ortsteile von Heide). Die ehemaligen Torfstiche, heute Teiche oder zugewachsene Flächen, gehen auf die Gewinnung von Backtorf zurück, zuletzt nach dem zweiten Weltkrieg. Hier quert – in Fortsetzung der früheren Heider Schanze – der Landgraben den Weg, der über den ehemaligen Fieler See in die Miele entwässert.
183L
: Das letzte Ende des Weges zu BEISHA muss mit Kraftfahrzeugen links umgangen werden.
SCHANZ
: Die Erdanlagen der Heider Schanze sind ein Rest eines Ausbaus aus dem späten 17. Jahrhundert ("Nordischer Krieg"). Voraus ging eine wichtige Landesbefestigung aus der Zeit der Bauernrepublik. Es scheint sich nach alten Darstellungen um eine Landwehr mit drei gestaffelten Gräben gehandelt zu haben, die von der nördlich bis zur südlich anschließenden Niederung reichte. Sie kontrollierte die Zuwegung zur Heider Geestinsel; im frühen 16. Jahrhundert waren Teile turmartig verstärkt worden. Die Umgebung der Landwehr ("Hamme") war damals von dichtem, undurchdringlichen Gehölz umgeben, das nach der Eroberung Dithmarschens 1559 gefällt werden musste. Hier fand wohl die für die Dithmarscher siegreiche Schlacht in der "Süderhamme" von 1404 statt.
185R
für Kraftfahrzeuge gesperrt, Umgehung über 220 zu 188L!
NKIRCH
: Nordhastedt ist ein Ort, der vergleichsweise spät, wohl erst im 14. oder 15. Jahrhundert, eine Kirche bekommen hat, die im Kern erhalten ist, wenn auch im 19. Jahrhundert ein großer Teil der Außenmauern durch Ziegelmauern ersetzt wurden. Die kleine Kirche mit gesondertem hölzernen Glockenturm enthält einige alte Ausstattungsstücke. – Start Route NBAHN2-SHANZ1!


OSTWLD
: Osterwohld dürfte im späten Mittelalter als Rodungsort entstanden sein. Wir biegen in eine Nebenstraße ein, die früher ein wichtiger Landweg gewesen ist.
HB1880
: Einer von mehreren erhaltenen privaten Grenzsteinen im Riesewohld.
FUEFIN
: Die Fünffingerlinde ist eine Winterlinde, die in die Zeit zurückreicht, als der Wald noch beweidet wurde. In der damaligen Nutzung als "Hudewald" und Niederwald (erneuter Stockausschlag nach Rodung) bildeten sich durch Viehverbiss oder Kappung der Äste Baumindividuen, die - ähnlich wie in Knickwällen zu sehen - in mehreren Stämmen hochwuchsen. Seit dem 19. Jahrhundert, als die Waldweide endgültig verboten wurde, konnten solche Bäume, wenn sie geschont wurden, zu mächtigen und zugleich bizarren Exemplaren auswachsen. In der Nähe finden sich viele Junglinden im Wald, während die Linde sonst aus den Wäldern fast völlig verbannt ist.
RISWLD
: Die Aussiedlerhöfe am Riesewohld tragen dessen Namen. Am Wegrand östlich ein alter Grenzstein zwischen Albersdorf und Röst.
HOLLBN
: Bei der Fischzucht Hollenborn (Kleingruppen können nach Absprache beköstigt werden)
stehen einige besonders alte Rosskastanien am Landweg. Am Gebäude ein großer Findling.
HARKST
: Am Rande eines größeren Quelltales in einer hölzernen Einfriedigung liegt ein gewaltiger Findling, der Harkestein. Der vordere Teil ist bereits in alter Zeit abgespalten. Weiter hinten auf dem Stein sieht man eine Reihe von eingeschlagenen Keillöchern. Sie sollten dazu dienen, den Stein durch Hammerschläge auf eingeklemmte Keile aus Schmiedestahl weiter zu spalten. Um diesen Findling, ein Eiszeitgeschiebe, ranken sich natürlich Sagen. Er wird z. B. mit einer Göttin "Harke" in Verbindung gebracht. Der Mann, der ihn sprengen wollte, soll den Versuch aufgegeben haben, als ein Gewitter hörbar nahte und er Angst vor der Weissagung bekam, denjenigen, der den Stein spalten wolle, würde der Blitz treffen. In der Nähe des Steins stehen viele Ilexbüsche (=Stechpalme), die das wintermilde Klima lieben. – Weitere Büsche und eine Quelle (ROSTQU) links hinter 79R.
SHANZ1
: Die Sarzbütteler Schanzen sind eigentlich eine Landwehr, die möglicherweise gleichzeitig mit der Marienburg entstanden, sicher aber mittelalterlichen Typs ist. Der vierfache Wall bildete eine relativ kurze, nach Westen etwas ausgebogene Verteidigungslinie und dürfte dazu gedient haben, Feinde von Westen daran zu hindern, hier am Engpass der Meldorf-Bargenstedter Geest, wo der Weg auf einem alten Wassermühlendamm (MULDAM, Route 11) die Niederung quert, weiter nach Nordosten oder Osten Richtung Albersdorf vorzudringen (siehe auch Marienburg). Der Ostteil der Landwehr ist längst planiert. Start Route MULDAM-MBANHF!


DKAMER
: Das wohlerhaltene Großsteingrab Dellbrück ist durch einen kurzen Fußweg zu erreichen. Es wurde kurz vor 1850 freigelegt; von Funden war nicht die Rede. Die außen umherliegenden Steine scheinen zum Steinkreis des zugehörigen Rundhügels zu gehören. Die Kammer selbst ist ein großer "Dolmen" ohne Gang. Dass die Kammer für viele Bestattungen gedacht war, wird aus dem halbhohen Eintrittsstein an der hinteren Stirnseite deutlich. Die Lücke darüber müssen wir uns mit einer bei Bedarf leicht zu öffnenden Trockenmauer verschlossen vorstellen.
MARIBG
: Ein kurzer Fußweg führt in das Wäldchen zur Marienburg (Erläuterungstafel). Man erkennt die Erdanlagen einer umwallten Turmhügelburg. Die Burg wurde 1402 durch die feindlichen Holsteiner gebaut anlässlich des Versuches, Dithmarschen zu erobern. Die Dithmarscher konnten sich vorerst westlich von hier behaupten. Hier, am Wegepass zwischen den damals unwegsamen Moorniederungen, errichteten die Holsteiner eine Zwingburg, deren Gebäude aus Holz bestanden ("Blockhaus" heißt es in alten Quellen). Die Burg diente als Stützpunkt bei Raubzügen in das Land. Ein Eroberungsversuch der Dithmarscher unter Ralf Boykenson wurde abgeschlagen, Boykenson dabei erschossen. Erst als die Dithmarscher 1404 bei Heide die Holsteiner vernichtend schlugen, wurde die Burg kampflos den Dithmarschern überlassen und von denen sofort zerstört. – Wir erkennen den zentralen Turmhügel, der das "Blockhaus" getragen hat. Er ist von einem inneren Graben und einem vollständigen Wall mit weiterem Graben ringförmig umgeben. An der gefährdeten Geestseite ist noch einen zweiter, durch eine alte Sandgrube beschädigter Wall und ein dritter Graben.
HOCHAC
: Der kleine Fußpfad in ein Wäldchen bei Bargenstedt quert nach kurzer Zeit ein System von schmalen Wällen schräg zum Weg, aber nur rechts davon. Links wird bei der neuzeitlichen Kultivierung alles planiert worden sein. Ein kleinerer Grabhügel rechts am gegenüberliegenden Waldrand zur Kiesgrube hin ist von den Wällen deutlich ausgespart (HUEGL7, kein Pfad!). (Nach der Querung der Ackerfelder führt der Weg in die Nähe eines größeren, angegrabenen Grabhügels: HUEGL6.) Es handelt sich um Ackerfelder mittelalterlichen Typs, sog. Hochäcker, wie sie bis zu den ersten Flurbereinigungen, der "Verkoppelung" Ende des 18. Jahrhunderts noch überall in Gebrauch waren. Ein Teil der hier erhaltenen Ackerfelder sind außergewöhnlich stark überhöht, eine Folge des jahrhundertelangen systematischen Pflügens zur Mitte hin. Erst mit der Verkoppelung wurden die unwirtschaftlichen Streifenäckerchen ersetzt durch größere rechteckige Koppeln, die mit Wällen eingefasst waren – das Geburtsdatum der Knicklandschaft.
Wir durchqueren die Dörfer Bargenstedt (BARGST) und Nindorf (NINDRF) abseits der heutigen Bundesstraße längs der ursprünglichen Wegführung.
GALGBG
: Der Meldorfer Galgenberg, heute auf einem Privatgrundstück stark eingeengt gelegen, ist im Kern ein Großgrabhügel der Bronzezeit, der anlässlich seiner Nutzung als Hinrichtungsstätte des Mittelalters und der frühen Neuzeit umgeformt wurde. So zieht heute noch der "Armesündergang" schraubenförmig den Hügel hinauf. Die letzte Hinrichtung fand hier 1796 statt.
Ende der Rundtour hinter dem Meldorfer Bahnübergang (MBANHF).

Sonstige Wegpunkte: MUSEUM: Museum für Dithmarscher Vorgeschichte, Brahmsstr. 8 in Heide
KONGRB
: "Königsgraben", der Rest einer Landwehr, die wie die Sarzbütteler Schanzen den Übergang von der Meldorfer Geestinsel zur Albersdorfer Hauptgeest kontrollieren sollte.
ROSTQU
:
Gut erreichbarer Quellsumpf dicht an Straße bei Röst
Gastronomie: Meldorf, Hemmingstedt, ggf. Hollenborn, Nindorf   Zurück



Kartengrundlage: © Städte-Verlag, E. v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH, 70736 Fellbach www.staedteverlag.de

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