Dithmarschen auf Touren

GO4 Landschaft und Geschichte rund um die Moore an Tielenau und Eider (45 km) Karte  Zurück

Teilroute 1 (von 3) T-BRUK–HOEDML – T-BRUK: Start nahe der Tellingstedter Kirche an der Brücke über die Tielenau. – Die Kirche von Tellingstedt mit dem auffallend schiefen Dachreiter lässt den Ursprungsbau des 12. Jahrhunderts, der später nach Westen und Süden erweitert wurde, noch recht gut erkennen. Der hölzerne Glockenturm dürfte dem ursprünglichen geglichen haben. Aus der Erbauungszeit stammt auch das schlichte bronzene Taufbecken. Die übrige Ausstattung der Kirche ist bedeutend, vor allem die Orgel, im Kern von 1642, und der Altar aus der Tönninger Schlosskirche. Um die Kirche einige wenig veränderte ältere Gebäude und am Kindergarten eine alte Platane.
ALAPOT
: Das Gebäude der ehemaligen Tellingstedter Apotheke (19. Jahrhundert). Der Apotheker Rudolph Hartmann war ein begeisterter Hobbyarchäologe und Heimatforscher. Leider ging seine bedeutende Sammlung urgeschichtlicher Altertümer großenteils im 2. Weltkrieg in Berlin verloren.
TOPFHS
: Das verändernd restaurierte Haus rechts über der Straße war als Wohnhaus und Werkstatt einer Töpferei eingerichtet worden, die allerdings schon vor 1900 einging. Während des 19. Jahrhunderts gab es ein Dutzend Töpfereien in Tellingstedt und unmittelbarer Umgebung.
241R
: Weiter geradeaus kann man links der Hauptstraße eine deichartige Erhöhung erkennen. Es ist der letzte Rest einer einst umfangreichen Erdbefestigung, der Tielenauschanze oder Tielenbrücke. Sie spielte sowohl in der Zeit des Bauernfreistaates (1434-1559) wie auch später im Verlauf des Nordischen Krieges Ende des 17. Jahrhunderts eine Rolle. Der Fall der Tielenbrücke war einer der Gründe der Niederlage der Dithmarscher in der "Letzten Fehde" 1559.
GHUEG1
: "Schwarzer Berg", wohlerhaltener großer Grabhügel bronzezeitlicher Form.
244R
: Wem dieser Weg zu schlecht ist, kann von 243 zu 247L abkürzen.
GHUEG2
: Gut erhaltener großer Grabhügel bronzezeitlicher Form.
KATMOR
: Das Kätnermoor wurde vor allem nach dem zweiten Weltkrieg zuletzt durch Backtorfgewinnung ausgebeutet, deswegen die vielen tiefen Kuhlen, die heute als Angelgewässer dienen. Auf den übrigen ursprünglich baumfreien Moorflächen hat sich inzwischen eine Art Bruchwald gebildet.
FILKNL
: Der "Fieler Knüll" ist einer der wenigen heute unbebauten Geest-"Inseln", umgeben von Niederungen und Mooren. Wer Kondition hat, kann die Tour bei nicht zu nassen Wegverhältnissen durch einen interessanten Rundweg (3.2 km) durch das Oesterborsteler Moor erweitern: Extratour 19 FILKNL1-OESBMR wählen und aktivieren, von OESBMR zu FILKNL1 (einstige Kiesgrube) zurück, dort erste Teilroute erneut aktivieren! Der Rundweg schließt einen Teil des erwähnten Kleinbahndamms mit ein. Im Moor teils Massenausbreitung des weidenähnlichen Gagelstrauchs mit auffallend würzigem Geruch, so beim Stichweg zum Hochstand (HOCHST). Starke Ausbreitung der Moorbirke.
TPFKUL
: Links im Wäldchen und rechts auf der Weide zahlreiche Eintiefungen. Hier sollen die Tellingstedter Töpfer den benötigten Ton gegraben haben, den sie Erde nannten.
256L
: In Hövede unternehmen wir einen Abstecher zum Breiten Berg mit hervorragender Aussicht. Wer abkürzen will, fährt direkt zu HOEVDE weiter.
BREITB
: Auf dem Breitenberg zwei Grabhügel, in denen bei Ausgrabungen bedeutende Funde der älteren Bronzezeit zu Tage kamen. Wir befinden uns auf der südlichen Randmoräne des hufeisenförmigen Schalkholzer Eiszungenbeckens, das in einer späten Phase der vorletzten Eiszeit durch einen vorübergehenden Vorstoß des Inlandeises entstand. Die dabei aufgestauchten Randmoränen aus älteren Schmelzwasserkiesen sind für den Kiesabbau lukrativ. Sie können einige Schritte bis zur Kante der Kiesgrube gehen und dort eine hervorragende Aussicht genießen. Unweit waren bedeutende Fundstellen menschlicher Steingeräte aus Anfangs- und Schlussphase der letzten Eiszeit.
HOEDML:
Hier lag bis Ende des 19. Jahrhunderts die Höveder Mühle, eine (zu Dörpling gehörende) Wassermühle, die den niederdeutschen Dichter Klaus Groth zu einer Erzählung inspiriert hat (ausführliche Informationstafel). Die Straße folgt mehr oder weniger dem Lauf des einstigen Mühlendamms. Hier Ende der Route und Start der zweiten Teilroute (9: MUEL-R–DELMOR)
MUEL-R
: Unser Weg führt am Südrand der nördlichen Randmoränen des Schalkholzer Eiszungenbeckens nach Osten.
BANDM1
: Wir sind nunmehr im Westteil des Dörplinger Moores. Halbrechts ein schnurgerader Damm, die Trasse der ehemaligen Kleinbahn Norderdithmarschen, die hier durch das Moor und über die Tielenau Richtung Dellstedt führt. Unser Weg führt geradeaus weiter ins Moor (DRPMOR).
HELHRN
: Der Hellhornsberg ist eine isolierte, von Moor umgebene Geestkuppe, leider durch Kiesabbau ziemlich dezimiert. Beim Torfabbau in der Nähe sollen Reste eines Bohlenweges, der zum Hellhornsberg führte, gefunden worden sein.
263
: Wir haben das Dörplinger Moor verlassen. Rechts die Geesthöhe Hohenlieth.
BANDM2
: Einkehrmöglichkeit in der Gaststätte Braun etwas westlich (Hauptstr. 8). – Wir biegen auf den Damm der ehemaligen Kleinbahn ein, die hier ein Tongrubengebiet durchquert ("Klumpen"), das im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu Ziegeleizwecken ausgebeutet wurde. Die Ziegel wurden vom nahen Eiderhafen Pahlhude aus verschifft, wo auch zeitweise eine Zementfabrik bestand. Der Westteil des Grubengeländes ist später durch einen in Amerika reich gewordenen Pahlener parkartig angelegt worden, Zugang über eine Treppe (PARKTR). Dort viele Kaukasische Flügelnussbäume.
KLUMPN
: Wir biegen in einen reizvollen Weg ein, der an der Grenze der Geestzunge Hohenlieth zur Eiderniederung entlangführt. Mehrfach sind am Hang Quellsümpfe zu erkennen. Links endet das Grünland am Eiderdeich. Rechts im Wall eine "ausgebüxte" Flügelnuss mit eschenartigem Blatt.
271L
: Hier am Ostende der Geestzunge Hohenlieth soll früher ein Dorf Hashövede gelegen haben, dessen Zugehörigkeit zu Dithmarschen umstritten war.
TILBUR
: Der Abstecher längs der unteren Tielenau zum Eiderdeich führt uns zu einer historisch interessanten Stelle, denn der benachbarte Hof steht auf dem Grund der ehemaligen Tielenburg, einer zu Holstein gehörigen ehemaligen Adelsburg, die seinerzeit auf einer Eiderinsel errichtet wurde, die erst mit der späteren Eindeichung der Tielenhemme (1623) endgültig zu Dithmarschen kam. Zwischen der Besatzung der Burg und den benachbarten Dithmarschern kam es immer wieder zu folgenschweren Auseinandersetzungen, bis die Tielenburg nach gewonnener Schlacht bei Hemmingstedt (1500) von den Dithmarschern endgültig zerstört wurde. Bei Bauarbeiten auf der Hofstelle wurden zahlreiche Holzpfähle der Burgfundamentierung beseitigt.
274HR
: Schüttingdeich ist die Südgrenze der Eidermarsch der Tielenhemme zu den Dellstedter Mooren. Die Ansiedlung entstand nach der Eindeichung und Kultivierung der Tielenhemme 1623/25.
MORTRM
: Das westliche der beiden Dellstedter Moore bildet noch eine baumfreie zusammenhängende Fläche, die von einem Aussichtsturm aus überblickt werden kann (Infotafeln). Entwässerung, Abtorfung und Kultivierungsversuche haben dem Hochmoor stark geschadet, so dass es heute an Stelle von Torfmooswachstum überwiegend zur Ausbreitung von Pfeifengrasbulten kommt. Regelmäßige Beweidung durch eine Heidschnuckenherde soll der Regeneration des Hochmoores dienen.
DELMOR:
Hier wird der Moorrandweg z. T. als Bohlenweg weiter ausgebaut (Rundweg geplant). Dicht am Weg neues Torfmoorwachstum und Vorkommen zweier Sonnentauarten, unscheinbarer Planzen mit Hafttropfen an den seitlichen Blatthaaren, die dem Insektenfang dienen. In den zugewachsenen Gräben nördlich des Weges kann man mit dem Fernglas im August gelegentlich gelbe Ährenlilien blühen sehen. – Ende der Route und Start der dritten Teilroute (10: MORTRM– T-BRUK)
280L
: Vor uns ein Gebiet, in dem heute wieder großflächig Torf für Gartenbauzwecke abgebaut wird.
282HR
: Rechts die ausgebeuteten Torfabbauflächen, die sich zu einem interessanten Lebens- und Aufenthaltsraum für Wat- und Wasservögel entwickelt haben. Falls der Weg unbefahrbar ist, Umgehungsmöglichkeit über 296R und 297R.
MORGUT
: Imposantes Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Dellstedter Moorgutes, errichtet 1926.
BAURML
: Die Dellstedter "Bauernmühle" ist Eigenbau eines Bauern zur Selbstversorgung (1926).
288R
: Links ein gut erhaltenes Reetdachhaus des späten 19. Jahrhunderts.
290R
: Abstecher zum Bahndamm der Kleinbahn (BANDM3), auf dem sich eine vielseitige Trockenvegetation mit Thymian entwickelt hat.
291R
: Abstecher zu einer Stelle (MOBLIK) mit hervorragender Aussicht über das Oesterborsteler Moor. Wir können gleichsam zusehen, wie Birken das entwässerte Moor erobern.
294L
: Der heutige Tellingstedter Ortsteil Österborstel war früher ein eigenständiges Dorf.
TOPFST
: Die Töpferstraße in Tellingstedt führt ihren Namen von der ältesten Töpferei, die ab dem Ende des 17. Jahrhunderts nachweisbar ist und bis um 1800 Bestand hatte. Sie lag nahe der Einmündung der Töpferstraße in die Hauptstraße im Bereich der heutigen Gastwirtschaft Kühl. – Einkehrmöglichkeiten in Tellingstedt (u. a. Gasthöfe Kühl, Traube).
Ende der Tour bei unserem Ausgangspunkt an der Tielenaubrücke T-BRUK.   Zurück



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