Dithmarschen auf Touren

GN2 Marsch, Küste, Eidertiefland und historische Stätten von Schülp bis St. Annen (31 km) Karte  Zurück

Teilroute 1 (von 3) LUNKIR–ST-ANN – LUNKIR: Lundens Bedeutung für Dithmarschen war im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit größer als danach. Es hatte wenige Jahrzehnte bis zur Eroberung Dithmarschens 1559 sogar das Stadtrecht. Die Gegend war durch die Kultivierung der Eidermarschen zu Wohlstand gekommen. Zeugnisse sind die Grabplatten auf dem Lundener Kirchhof, dem "Geschlechterfriedhof". Bedeutende Personen aus bedeutenden Familienverbänden liegen hier bestattet, allen voran der 1537 ermordete Bauer und Regent Peter Swyn, dessen Wirken die Politik der Dithmarscher Republik in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mitbestimmte (schlichte Grabplatte mit der Aufschrift "Pater Patriae", Vater des Vaterlandes, daneben die hierher versetzte Sühnestele mit der Darstellung des Mordes). – Mittelalterliche, später veränderte Kirche. Lunden steht auf dem Nordteil der "Lundener Düne", der ein Strandwall aus vorchristlicher Zeit zu Grunde liegt.
621HL
: Unser Weg führt randlich auf das auch auf dem Strandwall gelegene Dorf Lehe zu, Heimat der Swyn-Familie. Der Enkel Peter Swyns, Markus, besaß hier ein stattliches Haus mit dem berühmten "Pesel" von 1560, einer Repräsentations- und Gerichtsstube, heute im Landesmuseum Meldorf.
622
: Der Strandwall war hier für den Hochflutschutz nicht mehr ausreichend, so dass er schon früh durch einen Deich (links von uns) geschützt wurde, heute der Innendeich des 1615 endgültig eingedeichten Lundener Kooges.
DARWRT
: Der Strandwall verliert sich ab hier in der Eidermarsch; die älteren Siedlungsstellen liegen auf Wurten.
PREIL
: Preil ist ein Dorf wohl des Spätmittelalters, auf einer Gruppe einzelner Wurten errichtet.
628L
: Wir können eine eindrucksvolle Deichbruchstelle von 1825 (DEICBR) entweder auf der vorgeschlagenen Route aufsuchen, wobei wir einen halben Kilometer auf dem Deich ggf. zwischen Weidevieh laufen müssen, oder ab hier alternativ nach rechts einen Weg zu DEIBR2 einschlagen, von wo aus wir die Deichbruchstelle hinreichend überblicken können. Wer mit dem PKW unterwegs ist und dem ersten Vorschlag folgt, sollte spätestens bei WENDEN das Auto abstellen. – Hier, übrigens der nördlichsten Punkt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (bis 1806), ist der 1825 auf einer längeren Strecke gebrochene Deich eiderseitig umbaut worden, so dass der zerstörte, damals viel niedrigere Deich praktisch unverändert liegenblieb ist. Zwei weitgehend verlandete Wehlen zeigen die Stellen an, wo das Wasser am heftigsten in den Dammskoog einströmte.
NEUSIL
: Wir haben spätmittelalterliche Köge längs der Eider durchfahren und haben die historische Eisenbahn-Drehbrücke von 1885 gequert (1908 zweigleisiger Ausbau, 1988/92 Rückbau). Hier mündet einer der Hauptentwässerungsströme in die Eider ("Neuensiel").
HEMSHF
: Um den älteren Hemshof parkartiger Garten, u. a. mit mächtiger Graupappel.
STANKI
: Die Kirche von St. Annen wurde 1491 als Kapelle durch Initiative ortsansässiger Geschlechter gegründet und wurde durch ein eigens eingeholtes päpstliches Privileg von 1507 zur Eigenkirche. Der 1571 neu errichtete Bau enthält eine hervorragende ältere Innenausstattung. – Einkehrmöglichkeit in einem Gasthof westlich der Kirche an der ehemaligen B5.
ST-ANN:
Das Dorf bildet in seinem größten Teil eine Reihe längs eines alten Deiches. – Ende der Route und Start der zweiten Teilroute (2: HSTANN–ALSIL1)
HSTANN
: Wir durchqueren Niederungsland, das schon vor Jahrtausenden von der Einwirkung der offenen See durch das Strandwallsystem bei Lunden abgeschnitten war und wo sich erheblich mehr Moor als Marschland bildete. Heute ist hier nur Grünlandnutzung sinnvoll. Einige unbewohnte Wurten (z. B. ALWURT) zeugen von letzlich erfolglosen Ansiedlungsversuchen früherer Jahrhunderte.
640RL
: Vor uns das Lundener Moor, das nördlichste einer Reihe großer Moorgebiete, die sich im Schutz der Lundener Düne entwickelten. Autofahrer sollten hier rechts fahren und über MORUMG direkt die ehemalige Bundesstraße 5 und dann KREMPL ansteuern.
LUNMOR
: Das Lundener Moor ist, obwohl weitgehend ohne botanische und zoologische Besonderheiten, als Naturerlebnisraum ausgewiesen und wegemäßig entsprechend ausgebaut. Hier Schutzhütte. Es besteht die Möglichkeit eines Fußweges durch das ehemalige Moorgebiet, das heute durch Angelteiche, Schilfflächen und Aufforstungen ausgezeichnet ist, wobei auch standortfremde Gehölze vorkommen, z. B. eine Magnolie. Informationen im NaTourZentrum Lunden (NATOUR).
647L
: Ein Fußweg führt durch eine Anpflanzung von Kiefern, die auf den trockenen Sandböden der Lundener Düne gut gedeihen. Im größten Teil des Landstreifens sind die Dünen aber abgegraben.
KREMPL
: Wir verlassen die Lundener Düne und fahren in die seeseitige Marsch. Wer statt dessen einkehren möchte, findet bei FLEHDE eine Gastronomie und fährt von dort direkt nach 652R weiter.
HEMKIR
: Die Hemmer Kirche steht am Nordende des Wurtreihendorfes auf einer eigenen Kirchwurt. Der im Kern hochmittelalterliche Ziegelbau mit hölzernem Glockenturm besitzt eine hervorragende Innenausstattung, teils mit Geschlechterwappen aus dem 16. Jahrhundert versehen.
HEMME
: Die älteren Häuser von Hemme stehen auf Wurten, Wohnhügeln, die für ein Gehöft aufgeschüttet sind. Die Hauptlinien der Feldeinteilung verlaufen quer zur Siedlungsreihe. Ausgangspunkt der mittelalterlichen Marschkolonisation, die nach der Bedeichung um 1100 einsetzte, war hier die Gegend dicht am Seedeich bei Hemmerwurth (siehe unten). Hemme wurde während dieser Kolonisation vielleicht ein Jahrhundert später gegründet. Die spätere Kultivierung verlief von Hemme in gleicher Richtung weiter nach Südosten, wo sie an der Lundener Düne und am Weißen Moor endet.
656R
: Links unbewohnte Einzelwurten, im Kern z. T. schon aus der Eisenzeit (um 200 n. Chr.).
659L
: Tödienwisch ist das Nordende einer der für die Dithmarscher Nordermarsch typischen lockeren Reihendörfer auf Einzelwurten. Bei der mittelalterlichen Aufsiedlung wurden allerdings ältere, eisenzeitliche Wurten wiederbenutzt. Der Ortsname enthält das namengebende Geschlecht (Wiese der Todiemannen). Die Geschlechter Dithmarschens sind ursprünglich Siedlungsgenossenschaften. Nach Norden zu "verdichtet" sich die Siedlungsreihe zum Dorf Strübbel.
ALSIL1:
Ende der Route und Start der dritten Teilroute (3: ALSIL2–LUNKIR)
SHUELP
: Mit der langgestreckten Dorfwurt Schülp, die im Frühmittelalter weit vor der ersten Bedeichung entstand, nähern wir uns zugleich der ersten Deichlinie, der wir bis 662L folgen. – Schülp steht seit Ende des 19. Jahrhunderts für Blumenzucht, z. B. Begonien.
668R
: Links das 1964 angelegte Speicherbecken für das dahinter liegende Siel und Schöpfwerk. Wer möchte, kann einen Abstecher zum Sportboothafen hinter dem Schöpfwerk machen. Früher war Schülperneuensiel ein kleiner Handelshafen, wovon noch ein größerer Speicher im kleinen Ort zeugt. Hier setzt eiderseitig der langgestreckte Karolinenkoog von 1800 an.
669L
: Wir durchqueren den Rathsmeder Koog von 1600. In der Zeit der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Republik diente das unbedeichte Vorland der Rathsmede als Treffpunkt für die alljährliche Heerschau der Norderdöffte, des nördlichen Wehrbezirkes Dithmarschens.
QERDEI
: Wir queren den hier gut erhaltenen ältesten Deich (um 1100), Seedeich bis 1600.
ZENHUS
: Längs des ältesten Seedeiches, aber älter, sind eine Reihe von Dorfwurten, die teilweise durch Landabbruch verkleinert sind. Auf diesen aus Einzelwurten zusammengewachsenen Aufhöhungen standen vor der Bedeichung kleine Dörfer, die nach Art der nordfriesischen Halligen überwiegend Weidewirtschaft betrieben. Zennhusen dürfte auf ein solches Wurtdorf zurückgehen. – An einem Haus eine auffällige Gusseisen-Veranda aus der Zeit um 1880. – Links im Dorf Grünlandflächen mit sehr stark aufgewölbten Beeten. Die Beete sind einst durch bewusstes Hochpflügen zur Mitte hin entstanden; sie sind Zeugen einer mittelalterlich-frühneuzeitlichen Wirtschaftsform.
KAMPEN
: Unbewohnter Rest einer frühmittelalterlichen Dorfwurt, wie Zennhusen und Hemmerwurth in den ältesten Deich einbezogen. Hier soll es Ende des Mittelalters eine Kapelle gegeben haben.
HEMWRT
: Rest einer Dorfwurt, die ihren unbekannten alten Namen später, nach dem Aufstieg Hemmes, gegen den jetzigen tauschte. Hemmerwurth ist Ausgangspunkt einer strahlenförmig nach Südwesten fortschreitenden Kolonisation der nach der Bedeichung kultivierbaren Binnenmarsch.
676L
: Mit Groven und Nesserdeich (NESDEI, Bank!) beginnen zwei Gebiete, die erst während des Mittelalters durch Verlagerung der Eider, die hier vorher weiter westlich verlief, zu Dithmarschen kamen. Dafür "verlor" Dithmarschen eine andere Eiderschleife, die heute zu Eiderstedt gehörige Langenhemme gegenüber von Wollersum. – Der Weg führt teilweise oben auf dem ältesten Seedeich entlang, mit hervorragendem Ausblick. Seeseitig der 1800 eingedeichte Karolinenkoog.
678
: Deichsiel. Der breite Vorfluter verläuft in der ehemaligen Eiderschleife (siehe oben unter 676L).
WOLSUM
: Das alte Wollersum musste nach Uferabbrüchen landeinwärts verlegt werden. Es wird sich ursprünglich um ein frühmittelalterliches Wurtdorf gehandelt haben.
679HR
: Links wieder der älteste Deich, hier zugleich südliche Begrenzung des nördlich liegenden Lundener Kooges (1615; ältere, vorübergehende Vorläufer).
Ende der Tour bei LUNKIR (mehrere Einkehrmöglichkeiten in Lunden, z. B. am Gänsemarkt).   Zurück



Kartengrundlage: © Städte-Verlag, E. v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH, 70736 Fellbach www.staedteverlag.de

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