Dithmarschen auf Touren

GN1 Geest, Moore, Archäologie und Steinzeitküste um die untere Broklandsau (53 km) Karte  Zurück

Teilroute 1 (von 4) VOSTNG-AMKLEV – VOSTNG: Start am Westrand des "Vogelstangenberges" in Süderheistedt [Histour HN 20]. Auf dem mit Eichen bestandenen Platz die erneuerte "Vogelstange", die früher der Aufhängung des Schützenvogels diente. Die Schützengilde, nach dem Vogel "Papagoyengilde" genannt, ist noch aktiv; allerdings wird heute aus Sicherheitsgründen an anderem Ort geschossen.
761R
: Wir folgen bis 762HL dem alten Landweg nach Hennstedt. Bis 763R teils schöne Ausblicke in die Niederung der Broklandsau, die in der Jungsteinzeit noch Meeresbucht war und von vielen Fundplätzen mit Hinterlassenschaften damaliger Menschen umgeben ist (3. Jahrtausend v. Chr.).
767HL
: Alter Landweg nach Fedderingen. Vorsicht, da hier Autos oft zu schnell fahren!
768HL
: Abstecher zum Wiemerstedter Gehölz (WIMHLZ), einem auf weite Strecken kaum bewirtschafteten Bauernwald. Längs des Waldrandes geht es zu einer besonders alten Eiche (WIMEIC).
FEDDRG
: Alte, hervorragend restaurierte Hofanlage des 18. und 19. Jahrh. mit älterem Ursprung.
DBRK-R
: Einige Schritte entfernt eine Brücke über die Broklandsau; Histour-Infotafel am jenseitigen Ufer [Histour HN 6]. Dort beginnt der sog. Gerichtsweg durch das Moor, dessen Name einer Zeit entstammt, als Lunden noch ein Gericht hatte. Er ist wohl identisch mit dem für 1402 bezeugten Ulerdamm, einer frühen Abdämmung der Broklandsau, deren Auslauf hier bei Dammbrück wohl als Hafen diente.
779R
: Die Geländekante zur Niederung hin ist die ehemalige Steilküste der hier noch bis vor gut 5000 Jahren anbrandenden Nordsee. Allerdings war sie schon durch Gletscherschmelzwässer, die zu Ende der letzten Eiszeit ihren Weg durch Eider- und Sorgetal nahmen, vorgeformt worden. Hier eine alte zweistämmige Eiche im Zuge eines Knickwalls [Histour HN 5].
AMKLEV
: Das Dorf Kleve hat seinen Namen vom Klev (Kliff), also dem alten Meeresufer [Histour HN 11]. – Ende der Route und Start der zweiten Teilroute (2: QELGRD-SLKIRC).
QELGRD:
Schöne Aussicht oben vom (vielfach angegrabenen) Klev in die Eiderniederung. Vor 5500 Jahren war hier noch eine Meeresbucht, die bis zum weit nördlich liegenden Schwabstedt reichte.
783
: Auf der Höhe über uns fanden sich zahlreiche Hinterlassenschaften später Steinzeitjäger und früher Steinzeitbauern, die hier oben den Feuerstein verarbeiteten, den sie unten im Strandgeröll gefunden hatten. – Aus dem Klevhang tritt an vielen Stellen Wasser in Form von Quellen aus.
KOEFRN
: Wir haben den Klevhang im Bereich eines Geländeeinschnittes hinter uns gelassen und durchqueren ein kleines, stark verbuschtes Moor. Unmittelbar rechts und links des Weges drei Stellen mit dem nicht häufigen Königsfarn, dem größten Farn in Mitteleuropa.
787
: Hier queren wir erneut die Klevlinie. Dieser Abhang ist hier viel flacher als weiter im Westen, weil er hier nicht durch die Brandung abgetragen wurde. Vor uns die moorige Eiderniederung.
OESTMR
: Wir erreichen den Eiderdeich und verfolgen ihn vier Kilometer abwärts.
PUMPWK
: Pumpwerk an der Stelle der Mündung der Broklandsau in die Eider [Histour HN 10]. Die Broklandsau soll im Mittelalter an anderer Stelle beim verschwundenen "Lammersbole" in die Eider geflossen sein.
NORDFD
: Ein Gang auf den Deich lässt uns in einigen hundert Metern Entfernung die erste Abdämmung der Eider bei Nordfeld erkennen (1936). Unterhalb wird die Eider durch die Gezeiten geprägt, die hier nach wie vor wirken, weil das heutige Eidersperrwerk in der Regel geöffnet ist. Hier hat sich ein breiter Schilf- und Wattgürtel gebildet, Lebensraum für viele Wasser- und Watvögel.
792
: Wem die folgenden unbefestigten Marschwege zu mühsam sind, kann sie über 97R, 98L und 99R direkt zu 799HR umfahren und dort wieder auf die Route nach links einbiegen.
SLICH1
: Nach kurzer Zeit beginnt das Nordende des spätmittelalterlichen Reihendorfes Schlichting, das in einem Grenzbereich von tiefliegender Eidermarsch im Osten und Mooren im Westen entstand. Die Häuser mussten hier wegen der allwinterlichen Überschwemmungen auf Wurten errichtet werden. Der überall moorige Untergrund führt noch heute immer wieder zu Sackungen der Gebäude.
SLKIRC:
Erst im 16. Jahrhundert bekam Schlichting eine Kirche; der heutige Bau entstand Ende des 17. Jahrhunderts (alte Innenausstattung überwiegend Anfang des 18. Jahrh.) [Histour HN 7]. Die Kleinheit der Kirche ist auch Ausdruck des geringeren Wohlstandes der Bauern auf der schlecht zu entwässernden Moormarsch. – Ende der Route und Start der dritten Teilroute (3: SLICH2-STELBN).
801L
: Wir befinden uns in den großen Moorgebieten östlich und südöstlich von Schlichting. Vor zwei Jahrhunderten erstreckten sich hier noch weite flache Seen, nördlich der Große und südlich der Kleine Lundener See (= Mötjensee) und der Steller See, dazu weite Niedermoore in Form von Schilfsümpfen, auf denen es an einigen Stellen zur Hochmoorbildung gekommen war. So urtümlich die Landschaft heute auf manchen Strecken aussehen mag, hat sie mit damals nur noch wenig zu tun. Durch intensive Entwässerung wurden weite Gebiete in Grünland verwandelt, andere abgetorft, und von einigen der Seen blieben nur Schilfflächen. In den letzten Jahrzehnten ist ein Großteil des Grünlandes brach gefallen und entwickelt sich zu Niedermoor, Weidengebüsch und Bruchwald. – Unser Weg bildet einen Damm, da das Gelände rechts und links durch Abtorfung tiefer gelegt wurde.
SLIMOR
: Links die Häuser der Ausbausiedlung Schlichtingermoor.
805L
: Ein Aussichtsturm [Histour L 17] ermöglicht die Sicht über die großen Schilfflächen des ehemaligen Mötjensees. Im Westen die Lundener Düne, erkennbar an der Bahnlinie und dem Nadelholzstreifen.
807L
: Einkehrmöglichkeit dicht westlich bei FLEHDE. – Wir biegen in einen Weg am Ostrand der schmalen Lundener Düne ein [Histour L 18 / L 19], einem ehemaligen Strandwallsystem, das im dritten und zweiten Jahrtausend vor Christus durch Meeresströmungen entstand und auf dem sich Dünen bildeten, deren Großteil dem Sandabbau zum Opfer fiel. Der Riegel der Lundener Düne hat die Bildung festgründiger Seemarschen östlich von ihr verhindert, statt dessen bildeten sich Moore und flache Seen.
GERIWG
: Hier zweigt der Gerichtsweg ab (siehe oben bei DBRK-R). – Vor 808R erhaltene Dünen.
WITWRT
: Anders als der Name von Wittenwurth vermuten lässt, handelt es sich um keine Wurt, sondern das verbreiterte Südende der Lundener Düne. "Witten" bezeichnet den hellen Dünensand.
816HR
: Wir queren die Bundesstraße und wählen einen kleinen Weg in die Marsch.
818L
: Unser Weg ist die Trasse der längst stillgelegten ältesten Eisenbahnlinie Dithmarschens von Neumünster nach Karolinenkoog zur Tönninger Fähre. Ihren weiteren Verlauf nutzt die heutige B5a.
819R
: Wir erreichen die Steller Geestinsel und verlassen die ehemalige Bahntrasse, um bis 822L ein Stück an der ehemaligen 4000jährigen Brandungsküste der Nordsee entlangzufahren.
823R
: Wir biegen auf den alten Landweg von Lunden nach Heide ein, der, von der Lundener Düne kommend, die Steller Geestinsel durchquert hat und nun auf die Stellerburg zuführt.
STELBN:
Ende der Route und Start der vierten Teilroute (4: STELBO-VOSTNG).
STELBO
: Rechts von uns der etwas unregelmäßige Ringwall der Stellerburg. Ein kurzer Pfad im Süden des Walles führt zu einer Lücke, wo man auf rutschigem Pfad den Wall besteigen kann. Diese Lücke im Wall ist ein Grabungsschnitt aus den 1930er Jahren, während die Einsenkungen des Walls im Norden und Osten auf ehemalige Tore zurückgehen. Die Burg entstand im 8. Jahrhundert als Sperrburg des Landweges, der durch die beiden Tore hindurchführte und nach Ausweis der Ausgrabungen als Bohlenweg ausgebaut war. Die Burg war damals weder im Westen durch die noch unbedeichte und unkultivierte Marsch noch nach Osten durch die Niederungsmoore zu umgehen. Innerhalb des aus Heidesoden errichteten Ringwalls, der eine hölzerne Brustwehr besessen haben wird, stand eine Ansammlung kleiner wohlgezimmerter Holzgebäude. Die Burg dürfte nur bei Gefahr besetzt gewesen sein und verfiel spätestens im 11. Jahrh [Histour WD 3]. – Wir verfolgen den alten Landweg über den "Rutenstrom" weiter nach Osten Richtung Weddingstedt auf die Heider Geesthalbinsel.
WEDSTD
: Unser Weg zur Kirche ist eine schmale Sackgasse (SACKGS) neben einer großen Eiche. In Sichtweite nahe der Bahnstrecke die Windmühle Margareta [Histour WD 2].
WDKIRC
: Die Weddingstedter Kirche ist ein Feldsteinbau aus romanischer Zeit (spätes 11. Jahrh.), der im Westen ursprünglich einen Rundturm besaß, von dem ein restaurierter Stumpf verblieb. Unter dem Dach der Kirche sind Reste eines romanischen Rundbogenfrieses aus Eifeltuffstein erkennbar; der Chor aus Ziegelmauerwerk ist jünger. Innen sehenswerte Ausstattung des 17. Jahrhunderts [Histour WD 1].
SUGLIN
: Wir haben Weddingstedt in Richtung der Broklandsauniederung verlassen, die zu Beginn der Bauernsteinzeit vor fünf Jahrtausenden noch Meeresbucht war (mehrere Fundplätze dieser Zeit). Wenn wir die östlich vor uns liegende Weide genau betrachten, können wir in ca. 200 m Entfernung eine leichte Erhöhung erkennen. Hier lag eine umfangreiche Ansiedlung, die seinerzeit mindestens zum Teil direkt am Wasser lag und zahllose Funde erbrachte.
STENOF
: Am Rand des Forstes die Ruine eines Großsteingrabes, dem sog. Stenoben (Steinofen). Der restaurierten Grabkammer fehlen zwei Decksteine sowie entweder ein Wandstein oder ein Gang [Histour WD 9]. Sie ist gleichzeitig mit der erwähnten Ansiedlung und wohl der zugehörige Bestattungsplatz.
839L
: Sehenswert einige Häuser weiter das private Zweiradmuseum von Walter Thede [Histour H 15].
AUKRUG
: Hier war zur Zeit der Dithmarscher Bauernrepublik eine wichtige Befestigung. Der Übergang der Invasionstruppen über die Aubrücke 1559 läutete die Niederlage der Dithmarscher ein.
Ende der Tour in Süderheistedt bei VOSTNG, hier ggf. Einkehrmöglichkeit.   Zurück



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