Dithmarschen auf Touren

GO2 Umgebungstour Albersdorf-Nord (Pkw, Zweirad) NSTART - ENDN-L, 13 km Karte  Zurück

NSTART: Startpunkt der Nordroute am Ortsausgang Albersdorf an der Hauptstraße nach Tellingstedt und Friedrichstadt.
43R:
Vorsicht, nicht halbrechts die asphaltierte Straße nach Bunsoh nehmen, sondern scharf rechts den nicht asphaltierten Ochsenweg (siehe Erläuterung Kerntour zu OCHSWG!)
OCHSW1
: [5] Dicht am Weg liegt rechts in einer Baumgruppe ein großer Grabhügel, der durch Eingrabungen etwas beschädigt ist. Wir kehren zur Hauptstraße zurück und halten uns an der Abzweigung nach Wrohm/Rendsburg rechts und sehen nach etwa 100 m rechts den Parkplatz zum Großsteingrab (47) von Bunsoh (Infotafel). Ein kurzer Fußweg führt zur Grabkammer (SHALST) [6].
Der Schalenstein von Bunsoh ist eines der bekanntesten derartigen Vorzeitdenkmäler Deutschlands. Er ist einer der drei Decksteine eines Großsteingrabes, das von einem großen Grabhügel überwölbt war und 1874 nicht sachgemäß ausgegraben wurde. Damals sah man nur den Grabhügel, über Kammer und Schalenstein war nichts bekannt. Man grub nur das Zentrum des Grabhügels aus und fuhr die Erde ab. Dabei stieß man zunächst auf eine massive Packung faust- bis kopfgroßer Steine, auf denen eine schwärzliche schmierige Masse lag. Nach dem heutigen Stand der Dinge handelte es sich dabei um die Steinpackung eines Baumsarggrabes ohne erhaltungsfähige Beigaben. Nach der Verrottung des Baumsarges blieb nur die schwärzliche Schicht übrig. Dies kann, da Körperbestattungen in solchen Baumsärgen nicht sehr lange üblich waren, nur in der älteren Bronzezeit gewesen sein. Unter der Steinpackung fand man dann eine Grabkammer, deren Inhalt erst bei einer späteren, genaueren Nachuntersuchung von 1908 ganz bekannt wurde. Es handelt sich um ein Ganggrab, die Seitensteine des nach Süden (rechts) führenden Ganges sind bis auf die Spitzen verschüttet. Die Kammer war in mehrere Abteilungen durch hochkant gestellte Steinplatten aufgeteilt; überwiegend in einer dieser Abteilungen fand sich eine Reihe von steinzeitlichen Gefäßen der Großsteingrabkultur, an anderer Stelle der Griff eines Flintdolches von einer späteren Nachbestattung. Die Steinkammer ist innen knapp 1,30 m hoch, aber heute ziemlich verschüttet und der Vermauerungen der Steinlücken beraubt. Sie trug ursprünglich den Schalenstein wohl noch ohne seine Schalen als Deckstein, der höchstens ein Stück aus dem damals noch viel kleineren Grabhügel herausschaute. Im Gegensatz zu anderen Decksteinen besteht er ausnahmsweise aus Sandstein. Erst, als irgendwann zwischen später Bauernsteinzeit und mittlerer Bronzezeit einer der drei Decksteine durch teilweise Abtragung des Grabhügels wieder frei zugänglich war, galt er wohl als "heiliger Stein" und wurde nach und nach mit den vielen großen und kleinen Schalen, Rinnen und sonstigen Zeichen versehen. So entstanden auch die eingetieften Hände, der kaum noch erkennbare Fuß, das Speichenrad und die Schale mit dem Ring herum. Mit der Wiederbenutzung der Stelle zu Bestattungszwecken seit der mittleren Bronzezeit wurde dann der Stein wieder verschüttet und hat so die Zeit bis zu seiner Wiederentdeckung unbeschadet überstanden. Er leidet vor allem durch gelegentliche mutwillige Beschädigungen und müsste vor Ort dringend durch eine Kopie ersetzt werden.
Es muss ungeklärt bleiben, worauf es den Menschen damals bei dem Eintiefen der Schalen und Zeichen angekommen ist. Dieser Stein wurde sicher deswegen bevorzugt, weil er sich als Sandsteinkonglomerat besser zu solchen Dingen eignet als die Granite und sonstigen Urgesteine der übrigen Kammersteine, zudem die Eintiefungen mindestens zum größten Teil durch Steinwerkzeuge geschehen sein dürfte. Auf Grund neuzeitlicher Vergleiche – eine Art Schalenkult hat sich vielerorts, auch in Dithmarschen, bis in die Neuzeit erhalten – könnte man annehmen, dass es im wesentlichen auf die Gewinnung des Gesteinsmehles ankam, dem in irgendeiner Weise heilende oder wundertätige Kräfte zugesprochen wurde. Das erklärt aber nicht die Hände und sonstigen Zeichen – vielleicht kam es hier darauf an, die Spuren einer unsichtbaren Gottheit zu verdeutlichen. (Natürliche Verwitterungsformen dieser Art scheiden für diese Gesteinsart übrigens aus.) Schalensteine geben immer wieder Anlass zu verschiedenartigsten Spekulationen, ein Laienforscher hat ihn jüngst sogar allen Ernstes für eine genaue maßstabgetreue Landkarte der Umgebung gehalten. – Bevor wir zum Parkplatz zurückkehren, sollten wir darauf achten, dass mindestens zwei Steinkreise, ehemalige Grabhügelbegrenzungen, in dem Hügel angeschnitten sind.
HUEGL3:
Auf der Höhe liegen links und auch rechts des Weges die besonders beeindruckenden, unbeschädigten Grabhügel von Arkebek [6] in beherrschender Landschaftslage. Zu den Hügeln gibt es keine Zuwegung, bitte gehen Sie nicht oder allenfalls unmittelbar nach der Ernte über den Acker! Fahren wir weiter, liegt rechts eine kleine Hölzung (GEHOLZ) mit einem ebenso großen, aber leider durch eine Kiesentnahmestelle etwas beschädigten Grabhügel (Erläuterungsschild) – weitere, derzeit nicht zugängliche Hügel befinden sich im hinteren Teil der Hölzung. In der Kiesgrube fand sich 1939 übrigens ein eisernes Schwert wohl aus einem zerstörten Körpergrab – offenbar einer der seltenen Fälle, dass ein Grab des 8. Jahrhunderts, also der sächsischen Zeit vor der Eroberung Karls des Großen, nachzuweisen ist. (Dies hat mit den bronzezeitlichen Grabhügeln allerdings nichts zu tun.) Ein ganzes Gräberfeld der sächsischen Zeit wurde übrigens in Immenstedt nördlich von Albersdorf ausgegraben, die Stelle hatte sich in der Heide als umwallter "Immenstedter Karkhof" erhalten – leider gibt es dort keinerlei Spuren mehr zu sehen.
Wir biegen an der Kreuzung rechts ab Richtung Schrum-Welmbüttel und halten nach genau 550 m an (54R). Rechts liegt teils im hohen Nadelwald, teils auf einer ausgeholzten Fläche, ein interessantes Gebiet (HUEGL4) [30]. Zu erkennen sind ein großer Grabhügel, eine runde flache "Plattform" von ca. 20 m Durchmesser (TANZPL) und mehrere kleine Grabhügel früheisenzeitlichen Typs, außerdem eine Reihe von mehr oder weniger parallelen Wällen (HOHAC2). Dabei handelt es sich entweder um alte Wegspuren des Landweges, der in der heutigen benachbarten Kreisstraße weiterlebt, oder – wahrscheinlicher – um Hochäcker mittelalterlichen Typs (siehe Umgebungstour Süd, Abstecher Bargenstedt: HOCHAC).
Gegenüber der Kreisstraße beginnt übrigens der Truppenübungsplatz, der nicht betreten werden darf. Von dort stammen die im Kurpark wiedererrichteten Steinkreise von kleinen Grabhügeln mit Brandbestattungen. Wir fahren die Kreisstraße weiter nach Norden bei RIESBT rechts ab. Hier befanden sich rechts einst gewaltige, weithin sichtbare Steinkammern [31], die aber leider bereits um 1800 beseitigt wurden. Eine naive Ansicht des 18. Jahrhunderts kann noch eine grobe Vorstellung vermitteln. Bereits der Dithmarscher Chronist Neocorus erwähnt sie um 1600. 1781 beschreibt sie der Chronist J. A. Bolten ausführlich. Ein verkürzte Wiedergabe des 19. Jahrhunderts nennt zuerst eine rechteckige, ca. 1,20 m hohe Erdaufschüttung von ca. 30 m Länge und ca. 8 m Breite, an höchster Stelle südöstlich von Schrum gelegen. Sie "ist nach allen vier Seiten mit großen aufrecht stehenden Granitfelsen eingefaßt, von welchen einige besonders an der nördlichen Seite, versunken oder weggebracht zu sein scheinen; besonders zeichnet sich unter diesen Steinen der an der südwestlichen Seite aus, der gleich den übrigen aufrecht steht, 8 Fuß hoch, 5 Fuß breit und 3 Fuß dick ist. Der Begräbnisplatz selbst ist an dem östlichen Ende, in einer Entfernung von 26 Fuß vom anderen Ende befindlich. Der Deckel des Grabes, der 10 Fuß lang, 10 Fuß breit und 3 Fuß dick ist, ruhet auf 5 ungemein großen, aufgerichteten Felsblöcken, die zusammen eine Höhle ausmachen. Ungefähr 100 Schritte von diesem Platz nach Westen, findet sich auf einem kleinen Hügel, also nicht auf einem länglichen, von Granitfelsen eingeschlossenen Bette, die zweite Begräbnishöhle, ganz allein für sich stehend, 6 Fuß lang, 7 Fuß breit, 2 Fuß dick und gleichfalls auf fünf anderen Steinen ruhend. Noch nahe an 200 Schritte hiervon und wieder nach Westen ist der dritte Begräbnisplatz, gleichfalls auf einem kleinen Hügel. Er ist 8 Fuß lang, 5 Fuß breit und 2 Fuß hoch und ruhet gleich dem Vorigen auf fünf Steinen. Alle drei Begräbnisse stehen auf freiem Felde. Von den Einwohnern werden sie Steinöfen genannt." (1 Fuß = ca. 30 cm.) Bolten hat seinerzeit demnach drei Dolmen nach Art und Größe des Brutkamps dort sehen können, wovon zwei in Rundhügeln, eines in einem Langbett lag. – Bei unserem Weg handelt es sich um eine der Fortsetzungen des Albersdorfer Ochsenweges, an der Breite der benachbarten Knickwälle deutlich als alter Weg erkennbar.
Kurz nach dem Durchlass über die Westerau biegen wir nach rechts (56R) in den "Ellingstedter Weg" ein, der längs des reizvollen Westerautales wieder nach Albersdorf führt. Etwa auf halbem Wege dorthin heißt die Flur links vom Weg "Ellingstedt" (ELLING) [32]. Flurnamen auf "-stedt" sind, wenn sie wie hier mit einem ehemaligen Personennamen verbunden sind, ein einigermaßen sicheres Zeichen für einen verschwundenen Ort, der hier in der Nähe gelegen haben muss, aber noch nicht lokalisiert wurde. Was das Alter solch eines Ortsnamens betrifft, ist er sicher älter als Albersdorf und reicht bis in vormittelalterliche Zeit zurück. – Die Tour endet bei ENDN-L unweit des Ausgangspunktes, von wo aus man nach kurzer Fahrt nach links wieder den Orstausgang (Startpunkt NSTART) erreichen kann.   Zurück



Kartengrundlage: © Städte-Verlag, E. v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH, 70736 Fellbach www.staedteverlag.de

Zahlen in [eckigen Klammern] entsprechen der gedruckten Version des Wanderweges.

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