Dithmarschen auf Touren

GO1 Umgebungstour Albersdorf-Südwest (Pkw / Zweirad, 28 km) Karte  Zurück

Erste Teilroute MULSTR-BEIACK
MULSTR:
Start der Route hinter dem Ortsausgang von Albersdorf in Richtung Röst und Tensbüttel. Erstes Ziel ist der Harkestein, den wir auf zwei Arten erreichen können. Die eine ist, ab 73R auf Wegen die vorgeschlagene Route zu verfolgen, die andere, von 73R direkt 78 anzusteuern und von 80 durch den Wald direkt den Wegpunkt HARKST [16] als Abstecher anzulaufen, allerdings zu Fuß und nach Regenzeiten mit Gummistiefeln. Auch bei der vorgeschlagenen Route müssen wir ab 76L den PKW abstellen, bis 77L geht es noch mit dem Zweirad und ab dort ein kurzes Stück zu Fuß. Am Rande eines größeren Quelltales in einer hölzernen Einfriedigung ein gewaltiger Findling. Der vordere Teil ist bereits in alter Zeit abgespalten. Weiter hinten auf dem Stein sieht man eine Reihe von eingeschlagenen Keillöchern. Sie sollten dazu dienen, den Stein durch Hammerschläge auf eingeklemmte Keile aus Schmiedestahl weiter zu spalten. Um diesen Findling, ein Eiszeitgeschiebe, ranken sich natürlich Sagen. Er wird z. B. mit einer Göttin "Harke" in Verbindung gebracht. Der Mann, der ihn sprengen wollte, soll den Versuch aufgegeben haben, als ein Gewitter hörbar nahte und er Angst vor der Weissagung bekam, denjenigen, der den Stein spalten wolle, würde der Blitz treffen. In der Nähe des Steins stehen viele Ilexbüsche, die das wintermilde Klima lieben. – Man muss sich vor allem die hügeligen Teile der Geest, die Moränenlandschaft eiszeitlichen Ursprungs, früher ziemlich dicht besät mit großen und kleinen derartigen Findlingen vorstellen. Der Bau der steinzeitlichen Steinkammern hat sicher nur einen kleinen Teil dieser Steine beansprucht. Erst mit der Verwendung solcher Steine für Kirchenbau, Fundamente, Schwellen und Stufen, Heckeinfassungen und vor allem zum Straßenbau sind sie auch aus ihren letzten Refugien, den Wäldern, fast überall verschwunden. – Wir bewegen uns längs der Routenpunkte zu 75R zurück und fahren die Route weiter, falls wir nicht zu Fuß zu 80 gekommen sind.
HOHAC1:
Dicht nördlich der asphaltierten Straße liegen im Wald nordsüdlich ausgerichtete, verschliffene ehemalige Hochäcker (siehe unten bei HOCHAC) mittelalterlichen Typs.
SHANZ1:
Sarzbütteler Schanzen
[17], eigentlich eine Landwehr, die möglicherweise gleichzeitig mit der Marienburg entstanden ist, sicher aber mittelalterlichen Typs ist. Der vierfache Wall bildete eine relativ kurze, nach Westen etwas ausgebogene Verteidigungslinie und dürfte dazu gedient haben, Feinde von Westen daran zu hindern, hier am Engpass der Meldorf-Bargenstedter Geest, wo der Weg auf einem alten Wassermühlendamm (MULDAM) die Niederung quert, weiter nach Nordosten oder Osten Richtung Albersdorf vorzudringen (siehe auch Marienburg). Der Ostteil der Landwehr ist längst planiert. – Hier können wir uns entscheiden, ob wir der Teilroute 1 zu Ende zu den Bargenstedter Hochäckern folgen oder darauf verzichten und direkt den nahen Wegpunkt 101R der zweiten Teilroute ansteuern (versetztes Überqueren der Bundesstraße).
HOCHAC:
Bargenstedter Hochäcker
[18]
Der kleine Fußpfad, der von BEIACK in ein Wäldchen führt, quert nach kurzer Zeit ein System von schmalen Wällen schräg zum Weg, aber nur rechts davon. Links wird bei der neuzeitlichen Kultivierung alles planiert worden sein. Ein kleinerer Grabhügel rechts am gegenüberliegenden Waldrand zur Kiesgrube hin ist von den Wällen deutlich ausgespart (HUEGL7, kein Pfad!). (Nach der Querung der Ackerfelder führt der Weg in die Nähe eines größeren, angegrabenen Grabhügels: HUEGL6.) Es handelt sich um Ackerfelder mittelalterlichen Typs, sog. Hochäcker, wie sie bis zu den ersten Flurbereinigungen, der "Verkoppelung" Ende des 18. Jahrhunderts noch überall in Gebrauch waren. Ein Teil der hier erhaltenen Ackerfelder sind außergewöhnlich stark überhöht, eine Folge des jahrhundertelangen systematischen Pflügens zur Mitte hin. Erst mit der Verkoppelung wurden die unwirtschaftlichen Streifenäckerchen ersetzt durch größere rechteckige Koppeln, die mit Wällen eingefasst waren – das Geburtsdatum der Knicklandschaft. Da aber bei der Verkoppelung aus Äckern wieder Äcker wurden, ist aufgelassenes Ackerland, wie dieses, meist viel älter. Konjunktureinbrüche und Pestzeiten im späten Mittelalter führten zur Aufgabe zuvor kultivierter Ländereien, ja ganzer Dörfer, die wieder zu Heide wurden. Nur einen halben Kilometer entfernt soll der Ort Henscherade (HENRAD) gelegen haben, der 1447 bezeugt, aber ein Jahrhundert später verschwunden ist. Die hier sichtbaren Äcker könnten Teil seiner Feldmark gewesen sein. – Zurück zum Betonspurweg, hier endet die Teilroute1. Es geht weiter mit der:

Teilroute HENRAD-MULSTR
DELBRK:
Großsteingrab Dellbrück [19]. Das wohlerhaltene Großsteingrab (DKAMER) ist durch einen kurzen Fußweg zu erreichen. Es wurde kurz vor 1850 freigelegt; von Funden war nicht die Rede. Die außen umherliegenden Steine scheinen zum Steinkreis des zugehörigen Rundhügels zu gehören. Die Kammer selbst ist ein großer Dolmen ohne Gang. Dass die Kammer für viele Bestattungen gedacht war, wird aus dem halbhohen Eintrittsstein an der hinteren Stirnseite deutlich. Die Lücke darüber müssen wir uns mit einer bei Bedarf leicht zu öffnenden Trockenmauer verschlossen vorstellen.
MARBG1:
Ein kurzer Fußweg führt in das Wäldchen zur Marienburg (MARIBG; Erläuterungstafel) [20]. Man erkennt die wohlerhaltenen Erdanlagen einer umwallten Turmhügelburg. Die Burg wurde 1402 durch die feindlichen Holsteiner gebaut anlässlich des Versuches, Dithmarschen zu erobern. (Der Typ der Turmhügelburg war damals eigentlich schon aus der Mode gekommen, aber hier noch einmal vielleicht als Provisorium errichtet.) Die Dithmarscher konnten sich vorerst westlich von hier behaupten. Hier am Wegepass zwischen den damals unwegsamen Moorniederungen errichteten die Holsteiner eine Zwingburg, deren Anlage für die Zukunft geplant erscheint, wenn auch die Gebäude aus Holz bestanden ("Blockhaus" heißt es in alten Quellen). Die Burg diente als Stützpunkt bei Raubzügen in das Land, bei denen die Orte Tensbüttel und Röst so gründlich zerstört worden sein sollen, dass man es für vorteilhaft hielt, sie später an anderer Stelle wieder aufzubauen. Ein Eroberungsversuch der Dithmarscher unter Ralf Boykenson wurde abgeschlagen, Boykenson dabei erschossen. Erst als die Dithmarscher 1404 bei Heide die Holsteiner vernichtend schlugen, wurde die Burg kampflos den Dithmarschern überlassen und von denen sofort zerstört. – Wir erkennen den zentralen Turmhügel, der das "Blockhaus" getragen hat. Er ist von einem inneren Graben und einem vollständigen Wall mit weiterem Graben ringförmig umgeben. An der Geestseite, die stärker gefährdet war, gibt es noch einen zweiten, durch eine alte Sandgrube etwas zerstörten Wall und einen dritten Graben. Ein steilerer kleinerer Wall innerhalb des mittleren Grabens ist eine neuzeitliche Besitzgrenze. Unklar ist, wo der Zugang der noch völlig unerforschten Anlage zu suchen ist.
110L:
Nach rechts (Süden) ist hier der alte Landweg unbefestigt erhalten; westlich von ihm kann man einen großen wohlerhaltenen Grabhügel (HUGTNS) [21] auf freiem Felde erkennen. Wir sind hier am Anfang eines breiten Streifens von Grabhügeln, der sich von hier bis nach Albersdorf hinzieht.
STNGR1:
In dem Wäldchen liegen vorne einige stark restaurierte Grabhügel, während sich der Pfad im hinteren Teil vor einem halbzerstörten Großsteingrab (STENGR) [22] verläuft, das bei einer unsachgemäßen Restaurierung in jüngerer Zeit weitgehend verschüttet wurde, so dass es jetzt in einem Rundhügel zu liegen scheint. Der überwachsene große, flache Deckstein ist recht eindrucksvoll – gleichzeitig ein typisches Dokument für die nicht lange zurückliegende Zerstörung solcher Grabanlagen. Noch 1946 heißt es über dieses Grab: "Der große kräftige Langhügel ist am Rande von großen Findlingsblöcken eingefasst... Ein großer Randstein wurde etwa 1920 für den Bau des Gefallenendenkmals aus dem Hügel entfernt, ein weiterer etwa 1938/39 als Adolf-Hitler-Gedenkstein und ein dritter Stein für den Bau eines Grabdenkmals... Nahe dem Ende des Hügels liegt eine große Steinkammer, deren Decksteine und Tragsteine deutlich zu sehen sind. Die Kammer wurde (1946) von Jungen ausgeräumt. Der Waldhüter des Waldes teilte mir ... mit, daß die Kammer bereits in seinen Jungenjahren ausgegraben worden sei." – Heute ist das Grab ein rechtes Trauerbild, vor allem ist von Langhügel und Steineinfassung nichts mehr zu sehen, die Kammer durch Enfernung von Tragsteinen eingestürzt.
112R:
Der Gedenkstein des nahen Gefallenen-Ehrenmals ist übrigens der oben erwähnte, aus der Grabeinfassung gestohlene Stein. In der Nähe des folgenden Weges Grabhügel [23].
115L:
Auf den Koppeln, die hier rechts vom Weg in die Senke gehen, ließen sich in der Nähe des noch sichtbaren Grabhügels im Luftbild überpflügte mittelalterliche Hochäcker [24] erkennen (siehe HOHAC). Einige Grabhügel liegen hier in der Feldmark.
MENFUL:
Unmittelbar vor der Hauptstraße liegen linkerhand die Reste eines großen Grabhügelfeldes mit dem bezeichnenden Namen "Menni ful Bargen" (Mannig voll Berge) [25]. Von den ursprünglich wohl 60 Hügeln und Hügelchen lassen sich jetzt noch auf dem Luftbild neben dem einzigen noch erhaltenen etwa 30 überpflügte Hügel erkennen. Aber auch ein Blick über die Koppel lässt mehrere der überpflügten Hügel erahnen. Hier sind 1939 jedenfalls teilweise Ausgrabungen gemacht worden. Es handelt sich um kleinere Grabhügel der späteren Bronzezeit, die je eine Brandbestattung in einer Urne, teilweise mit Beigaben, enthielten.
Gegenüber der Bundesstraße erkennen wir eine ehemalige Kiesgrube, die nun für Sandbahnrennen ausgebaut ist. Hier wurden wiederholt frühgeschichtliche Funde beobachtet. Dabei wurden einmal drei Grubenhäuser ausgegraben von 4 bis 5,50 m Länge und 3,50 bis 3,90 m Breite. In jedem Haus stand ein aus Feldsteinen aufgesetzter Herd in der Nordostecke. Sicher sind hier nur die Nebengebäude einer Ansiedlung aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends nach Christi angeschnitten; Pfostenspuren der großen Hauptgebäude hätten sich allenfalls bei größeren Flächenausgrabungen finden lassen. Bemerkenswert waren Funde von Eisenschlacken und einem Eisenbarren, was auf Gewinnung von Eisen aus den "Luppen" von Eisenöfen schließen lässt. Diese Eisenöfen können höchstens einige Kilometer entfernt gestanden haben.
Wir biegen nach rechts ein Stück in die Bundesstraße ein. Etwa 100 m weiter liegt links der Straße das Gelände einer ehemaligen langgestreckten Kiesgrube. Hier wurde ein überpflügter Grabhügel von noch gut einem Meter Höhe 1962 ausgegraben, weil er sonst mit abgebaut worden wäre. Immerhin konnten noch zwei Phasen der Hügelerrichtung erkannt werden. Neben einem beigabenlosen Baumsarggrab in der Mitte des Kernhügels fand sich ein weiteres späteres gleichartiges Grab mit Resten einer weiblichen Bestattung und vielfältigen, allerdings schlecht erhaltenen Beigaben. Die Frau hatte neben einem Bronzedolch eine bronzene "Radnadel" als Gewandhalterung, eine Gürtelplatte aus Bronze und drei blaue, sicher von weither importierte Glasperlen als Beigaben mitbekommen. Am Kopf trug sie ein verziertes Blechband, das aus einem ungarischen Bronzeblechgürtel herausgeschnitten war. Noch drei weitere Gräber aus älterer und jüngerer Bronzezeit tauchten in dem Hügel auf, in einem Fall mit Dolch, Fibel (Gewand-Sicherheitsnadel) und Goldring.
116L:
Kurz vor der Abbiegung nördlich zwei erhaltene Grabhügel [26]. Nach der Abbiegung sehen wir auf der Kuppe links einen weiteren Grabhügel. Dies ist der Rest einer besonders interessanten Grabhügelgruppe, der "Kaiserberge". Bei verschiedenen Aus- und Abgrabungen des vorigen Jahrhunderts fanden sich derart reichhaltige Grabbeigaben der jüngeren Bronzezeit, dass der wissenschaftliche Bearbeiter an die Bestattung einer ähnlich hochgestellten Persönlichkeit denkt wie im "Königsgrab" von Seddin in der Prignitz.
HUEGL5:
Links im Weideland ein etwas verschliffener Grabhügel [15].
70R:
Auf dem steil über der Gieselau liegender Geländerücken ist noch einer von ehemals mehreren Grabhügeln erhalten [27]. Auf der vordersten Koppel dieses Rückens, gleich an der Straße, wurden 1939 25 Gräber eines früheisenzeitlichen Urnenfriedhofes ausgegraben.
DIKSKN:
[28] Auf einem mit Gerste bestandenen Feld auf dem Dieksknöll am Ende des Feldweges waren im extremen Trockensommer 1992 etwa 14 Tage lang die Spuren eines steinzeitlichen Erdwerks sichtbar; sie wurden vom Flugzeug aus entdeckt. Erdwerk ist ein archäologischer Verlegenheitsausdruck für große eingehegte Bezirke der Bauernsteinzeit. Unter zeitgleichen Erdwerken des norddeutsch-südskandinavischen Raums ist es mit 2,3 ha Innenfläche eher klein. Sichtbar waren die mit tieferen Bodeneingriffen verbundenen Spuren der längst verfüllten Gräben und teils sogar der hölzernen Palisaden. Die Einhegung nutzte einen Geländevorsprung zwischen Gieselau und Vorbek; wo die Talkanten steil genug waren, hat man auf Gräben verzichtet. Nach dem Typ der Einfassung mit den vielen Unterbrechungen im Graben und nach den Funden der Probegrabungen dürfte die Anlage gleichzeitig mit den nahen Steingräbern um 3200 v. Chr. entstanden sein und hat offenbar nicht lange bestanden. Der Sinn und Zweck dieser Anlagen war sicher nicht immer gleich und ist unter Archäologen durchaus umstritten. Obwohl mit Graben, Palisade und vielleicht auch einem Wall Elemente späterer Verteidigungsbauten vorweggenommen wurden, waren es sicher keine reinen Befestigungen, sondern eher eingehegte Versammlungsplätze, die (neben anderem?) der Religionsausübung und vielleicht auch dem Totenritus dienten.
Das Erdwerk ist auf zwei heutige Felder verteilt. Während das nördliche, auf dem 1992 die Spuren sichtbar waren, bewirtschaftet ist, ist das südliche nun Brachland und betretbar. Zwar ist keinerlei Spur von der Einhegung zu sehen, aber man kann sich besonders zur Gieselau hin eine gute Vorstellung vom erhöhten Gelände machen.
Ende der Tour beim Ausgangspunkt MULSTR.

Zahlen in [eckigen Klammern] entsprechen der gedruckten Version des Wanderweges.   Zurück



Kartengrundlage: © Städte-Verlag, E. v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH, 70736 Fellbach www.staedteverlag.de

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