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„Otto von Rade” und andere falsche Ortsnamendeutungen
Odderade hat nichts mit einem Grafen „Otto von Rade” zu tun. Ortsnamendeutungen sollte man erfahrenen Sprachwissenschaftlern überlassen, da nur sie die typischen sprachlichen Entwicklungen der Ortsnamen beurteilen und danach mehr oder weniger sichere Deutungen vornehmen können.
Auch müssen sie die frühesten Aufzeichnungen der Ortsnamen sowie die früher gebräuchlichen Personennamen kennen. So erweist sich Odderade als eine typische Benennung des fortgeschrittenen Mittelalters und bedeutet Rodung, wo Otter sind – denn wenn es nach einer Rodung des Oddo benannt wäre, hätte es sich (nach Wolfgang Laur, dem Verfasser des seriösen Historischen Ortsnamenlexikons Schleswig-Holsteins) eher zu „Oddenrade” entwickelt.
Aus der Zeit vor 600 n. Chr. stammen viele Kurznamen wie Röst oder Wrohm oder vielleicht auch schon Namen auf -stedt. Vor 1000 n. Chr. kamen Orte auf -büttel, -dorf und (in der Marsch) -wurth dazu. Nach der Eindeichung erbaute Geschlechterdörfer des 11. bis 13. Jahrhunderts enden auf -moor, -husen oder -wisch (Wiese), gleichalte Namen der Geest auf -rade (Rodung). Spätmittelalterlich sind ’naturbeschreibende’ Namen: Arkebek (Bach), Bunsoh (Au), Quickborn oder Heide. – Die ersten Teile älterer Namen bezeichnen oft Personen oder, nur in der Marsch, Geschlechter. – Also:
Vorsicht, wenn Laien Ortsnamen deuten!
Burgen, die es niemals gab
Nicht jeder Name einer Flur oder Aussiedlung auf -burg hat etwas mit einer früheren Burg zu tun. Oft sind es Spottnamen: Finkenburg (im Sinne von Dreckfink) oder Scharrenburg (dort, wo das Land „schar”, also sandig und unfruchtbar war). Neben den Ringwallburgen Stellerburg und Bökelnburg und dem Halbkreiswall Westburg am Kudensee gab es vor allem im Osten Dithmarschens einige kleinere, früh eingegangene Herrensitze (Süderrade, Schafstedt, Kuckwall bei Wennbüttel, Burgstelle am Querenbach bei Offenbüttel). Feindliche bzw. von Holsteiner Angreifern errichtete Burgen waren die Tielenburg an der Eider und die Marienburg westlich Tensbüttel.
Die Namen Burgviertel und Burgstraße in Meldorf könnten einen Hinweis auf eine sonst nicht nachzuweisende Burg in Meldorf geben. – Also:
Mancher „Burgname” war nur ein Spottname

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